70 Prozent der heimischen Nutztierrassen gefährdet

29. Dezember 2013 | 14:41 JT Organisationen/Verbände

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Foto: JTG Agrar Service

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) veröffentlichte zum dritten Mal eine Rote Liste mit gefährdeten Nutztierrassen. Durch wirksame Fördermaßnahmen stabilisierten sich die Bestände des Krainer Steinschafes, des Leineschafes und des Weißen Bergschafes. Die Deutsche Landrasse und das Deutsche Edelschwein sind hingegen drastisch im Bestand gesunken.

Über die Entwicklung der einheimischen Nutztierrassen informiert die BLE in mehrjährigen Abständen mit der Veröffentlichung der Roten Liste einheimischer Nutztierrassen. Grundlage hierfür sind die jährlich von der BLE erhobenen Bestandszahlen aller in Deutschland gezüchteten Nutztierrassen. Basierend auf diesen Zahlen empfiehlt der Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen die Einstufung der einzelnen Nutztierrassen in eine von vier Gefährdungskategorien. Aktuell stufte der Fachbeirat 52 der 74 einheimischen Nutztierrassen als gefährdet ein. Während sich die Situation bei den Schafrassen etwas verbesserte, geben vor allem die Entwicklungen in der Schweinezucht Anlass zur Sorge.

Haltungsprämien sind ein effektives Förderinstrument

Die Bestände des Krainer Steinschafes, des Leineschafes und des Weißen Bergschafes konnten sich unter anderem durch die Haltungsprämien gut entwickeln. Der Fachbeirat hat diese Schafrassen deshalb in eine jeweils niedrigere Gefährdungskategorie eingestuft. Auch die Pferderasse Schwarzwälder Kaltblut konnte aufgrund der erfolgreichen Fördermaßnahmen in eine geringere Gefährdungskategorie eingeordnet werden.

Strukturwandel in der Schweinezucht gefährdet einheimische Schweinerassen

In der Schweineproduktion setzen sich immer stärker Hybridsauen aus international agierenden Zuchtunternehmen durch. Folglich geht der Einsatz einheimischer Schweinerassen aus der Herdbuchzucht weiter zurück. Waren noch vor wenigen Jahren die Deutsche Landrasse und das Deutsche Edelschwein weit verbreitet, mussten diese Rassen nun als bedroht eingestuft werden. Somit gibt es in Deutschland keine ungefährdete einheimische Schweinerasse mehr.

Ziegenrassen ebenfalls unter Druck, kaum Veränderungen bei Rindern

Im Jahr 2010 galt zumindest noch die Bunte Deutsche Edelziege als ungefährdet. Aufgrund des Bestandsrückgangs musste auch diese Rasse nun als gefährdet eingestuft werden. Bei den Rinderrassen ist die Situation auf verbesserungsbedürftigen Niveau stabil. Von 21 einheimischen Rinderrassen sind 15 Rassen gefährdet.
Nutztierrassen-Vielfalt: Wichtig für die Landwirtschaft der Zukunft

Die Landwirtschaft muss sich auf ändernde Rahmenbedingungen, zum Beispiel veränderte Verbraucherwünsche oder Haltungsbedingungen, einstellen können. Hierzu braucht sie ein breites Spektrum verschiedener Nutztierrassen, aus dem sie die geeigneten Tiere auswählen kann. Nutztierrassen die unter heutigen Bedingungen prädestiniert sind, müssen dies nicht unbedingt auch in Zukunft sein. Dass es wirksame Instrumente gibt, die Vielfalt an Nutztierrassen zu erhalten, zeigen die Erfolge bei den Schafrassen.

Die Rote Liste gibt einen Überblick über die anhaltende Gefährdungssituation der Nutztierrassen in Deutschland. Darüber hinaus empfiehlt sie entsprechend dem von Bund und Ländern verabschiedeten Nationalen Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung tiergenetischer Ressourcen Maßnahmen, um die einheimischen Nutztierrassen zu erhalten.

Sie kann bei der BLE unter der Telefonnummer 0228/ 996845-3694 angefordert werden. Zusätzlich steht das Dokument auch zum Download unter www.genres.de/haus-und-nutztiere/gefaehrdung bereit.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), 19.12.2013


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