Bio vs. Konventionell

13. Dezember 2016 | 14:11 JT BioMärkteNahrungsmittelOrganisationen/VerbändeStatistikVerbraucherVermarktungWettbewerb

Aus 49 Testberichten der Stiftung Warentest im Zeitraum von 2006 bis 2016 eruierte Vergleich.org die durchschnittliche Bewertung von Lebensmitteln aus konventionellem
und biologischem Anbau. Folgende Bilanz konnte gezogen werden:

  • Bio-Produkte weisen keine bessere Qualität als konventionelle Produkte auf
    (Durchschnittsnote konventionelle Produkte 2,91; Durchschnittsnote
    Bio-Produkte 2,95)
  • “Premium-Bio”-Produkte wie beispielsweise von Bioland weisen keine
    bessere Qualität auf als Bio-Produkte von Discountern (Durchschnittsnote
    Premium-Bio 2,95; Durchschnittsnote Discounter-Bio 2,73)
  • Bio hat keine Auswirkungen auf die Nährstoffe eines Produktes
  • Jedes Biosiegel stellt unterschiedliche Anforderungen an das Produkt: das
    strengste Siegel ist die Auszeichnung der Organisation Demeter

Im Jahr 2014 wurden 6,3 Prozent der Anbauflächen in Deutschland durch
biologischen Anbau gestellt, der Anteil landwirtschaftlicher Biobetriebe stieg seit 1996 von 1,3 auf 8,6 Prozent (Quelle: BLE-Strukturdaten). Die stetig wachsende Produktion biologischer Lebensmittel geht einher mit einer steigenden Nachfrage deutscher Konsumenten nach Produkten aus biologischem Anbau. So investierten die Deutschen 2015 bis zu 8,62 Milliarden Euro in den Kauf biologischer Erzeugnisse. Zur Jahrtausendwende waren es noch 2,1 Milliarden Euro (Quelle: Arbeitskreis Biomarkt) – das entspricht einem Anstieg von 310 Prozent.

Bio-Produkten wird nachgesagt, gesünder und ökologisch wertvoller als Produkte aus
konventioneller Herstellung zu sein. Um diese Aussage zu überprüfen, analysierte
Vergleich.org die Testnoten von 49 Einzeltestberichten der Verbraucherorganisation
Stiftung Warentest (233 Bio-Produkten sowie 798 konventionellen Produkten) in dem
Zeitraum von 2006 bis 2016.

Konventionell gleichauf mit Bio

Im Durchschnitt bieten biologische Lebensmittel (Note: 2,95) keine höhere Qualität als
Produkte aus konventioneller Landwirtschaft (Note: 2,91). Dies ergibt sich aus den
kumulierten Testergebnissen der Stiftung Warentest, die verschiedene Lebensmittel
vornehmlich nach sensorischen und mikrobiologischen Prüfkriterien sowie auf die
Belastung durch Schadstoffe untersuchte.

Notenspiegel 1 sehr gut bis 6 ungenügend Quelle: vergleich.org Grafik ©: JTG Agrar Service

Notenspiegel 1 sehr gut bis 6 ungenügend
Quelle: vergleich.org
Grafik ©: JTG Agrar Service

Ein Professor an einer der 15 größten Universitäten Deutschlands, der nicht namentlich
genannt werden möchte, kommentiert: “Die Nährstoffe eines Lebensmittels ändern sich
nicht, egal, wie es angebaut wird. Es wird sich durch den Konsum von Bioprodukten nie
ein Unterschied im Stoffwechsel des Menschen feststellen lassen.”

Bio ist nicht gleich Bio

Die Testergebnisse machen deutlich: nicht jedes ausgezeichnete Bio-Produkt weist
optimale sensorische Eigenschaften auf und ist frei von Schadstoffen. Ebenso können
auch Produkte aus konventionellem Anbau gut schmecken und sind zudem nur in
geringem Maße schadstoffbelastet. “Bio hat keine Auswirkung auf das einzelne Produkt,
aber bewirkt vielleicht eine Schonung der Umwelt”, erklärt der
Ernährungswissenschaftler. So werde möglicherweise weniger Düngemittel eingesetzt.
Für Personen, denen eine bessere Tierhaltung und der Schutz der Umwelt am Herzen
liegt, ist der Kauf von Bio-Produkten demnach die beste Wahl. Doch woran erkennt man
eigentlich, welches Produkt wirklich Bio ist? “Wer in Europa Produkte mit dem Zusatz
Bio vermarkten möchte, muss nachweisen können, dass er die Kriterien der
Öko-Verordnung der EU erfüllt”, sagt Michelle Günter von Vergleich.org. Diese sind
strenger als die Lebensmittelrichtlinien für konventionelle Produkte.

Was versteckt sich hinter den Bio-Siegeln

Logos ©: das jeweilige Siegel Grafik: JTG Agrar Service

Logos ©: das jeweilige Siegel
Grafik: JTG Agrar Service

Doch auch in der Qualität von Bio-Produkten gibt es große Unterschiede. So stellt jedes Bio-Siegel andere Anforderungen an die jeweiligen Produkte. Während das EU-Bio-Siegel beispielsweise bis zu 0,9 Prozent genetisch veränderte Organismen erlaubt, verbieten die Siegel Biokreis, Bioland, Naturland und Demeter Genveränderungen komplett. Auch zeigen sich große Unterschiede in Tierhaltung und Düngung mit emissionssteigerndem Stickstoffdünger. Wie eine Untersuchung von Vergleich.org ergibt, stellt die Organisation Demeter die strengsten Anforderungen an die Gütesiegel.

“Bei unserer Auswertung der Ergebnisse der Stiftung Warentest konnten wir jedoch keinen signifikanten Unterschied zwischen den einzelnen Bio-Siegeln feststellen”, betont Michelle Günter. Es ist demnach davon auszugehen, dass sich die unterschiedlichen Anforderungen, die die Institutionen an die Produkte stellen, nicht stark auf die Produktqualität auswirken.

Discounter-Bio genauso gut wie Premium-Bio

Untersucht man die Ergebnisse der Stiftung Warentest genauer, lässt sich feststellen,
dass die Qualität von Premium-Bio-Produkten nicht besser ist als von Bio-Produkten aus
dem Discounter. Im Durchschnitt bewertete die Stiftung Warentest
Premium-Bio-Produkte mit einer 2,95, während die Bio-Produkte aus Discountern eine
Bewertung von 2,73 erzielten.

„Für die Qualität eines Produkts ist es demnach unerheblich, ob es aus konventionellem
oder biologischem Anbau stammt. Und wer Bio wählt, fährt mit Discounter-Biomarken
genauso gut wie mit den Premium-Marken aus dem Bioladen“, fasst Michelle Günter
zusammen. „Wer hingegen auf die Schonung der Umwelt und eine artgerechte
Tierhaltung Wert legt, sollte sich für Produkte mit dem demeter-Siegel entscheiden.”

Quelle: VGL Verlagsgesellschaft, 01.12.2016

Eine Antwort zu “Bio vs. Konventionell”

  • Markus sagt:

    Klar, Bio-Produkte haben nicht automatisch mehr Nährstoffe als konventionelle Produkte. Aber es geht halt auch um nachhaltige Bewirtschaftung, den Umgang mit den Arbeitnehmern und Tieren etc. Und da ist Bio einfach besser!


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