Durchwachsenes Fazit nach schwieriger Getreideernte

22. September 2014 | 9:10 JT ErnteGetreideOrganisationen/Verbände

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WLV-Präsident Johannes Röring Foto: WLV

WLV-Präsident Röring zieht durchwachsenes Fazit nach schwieriger Getreideernte 2014

Die Bauern in Westfalen-Lippe blicken zurück auf eine Getreide- und Rapsernte mit guten Erträgen bei allerdings sehr unterschiedlichen Qualitäten und niedrigen Erlösen. Im Landesdurchschnitt fällt die Erntebilanz 2014 trotz phasenweise sehr schwieriger Wetterverhältnisse jedoch insgesamt positiv aus. Dieses Fazit zog heute der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV), Johannes Röring, anlässlich der Ernte-Pressekonferenz des Verbands bei Münster.

„Nach einem milden Winter mit frühem Vegetationsbeginn und einem sehr trockenen Frühjahr waren die gute Getreide- und Rapsernte nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Für die früheren Getreidesorten und den Raps kam der Regen noch rechtzeitig – ab Ende Juli dann aber so stark und anhaltend, dass in einigen Regionen die Weizenernte zu einer echten Nervenprobe wurde. Nach dem letzten Erntejahr mit annähernd idealen Wetterbedingungen hatten wir in den letzten Wochen mit schlechten Qualitäten und hohen Trocknungskosten vor allem beim Weizen zu kämpfen“, so Röring.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband schätzt den durchschnittlichen Ertrag 2014 bei Getreide (ohne Körnermais) in Westfalen-Lippe auf ca. 83 dt/ha. Die Ernte liegt damit etwa 2,6 Prozent über dem Vorjahr und deutliche 11,7 Prozent über dem Mittelwert der Jahre 2008 bis 2013. Die Erträge bei Winterraps lagen bei 41 dt/ha, was im Vergleich zu 2013 einem Anstieg von 1,5 Prozent entspricht. Insgesamt liegen damit die durchschnitt-lichen Hektarerträge 2014 in Westfalen-Lippe bei Raps im Bundesdurchschnitt, bei Getreide deutlich darüber.

Erträge gut – Qualitäten durchwachsen – Preise enttäuschend

Die mengenmäßig gute Getreideernte in Westfalen-Lippe und in ganz Deutschland spiegelt eine weltweit entspannte Versorgungsbilanz. In den Erntejahren 2013/14 und 2014/15 sind die wichtigsten Anbauregionen rund um den Globus von größeren Dürreperioden und Überschwemmungen verschont geblieben. In beiden Jahren konnte eine globale Getreideernte von ca. 2,4 Mrd. Tonnen eingebracht werden, sodass sich die Vorräte bei Mais und bei Weizen aktuell auf 188 bzw. 193 Mio. Tonnen belaufen.
Durch das hohe Angebot auf den Weltmärkten sind allerdings die Erzeugerpreise der heimischen Bauern im zweiten Jahr in Folge deutlich gesunken. So erzielen die Ackerbauern in Westfalen-Lippe aktuell für ihre Getreide- und Rapsernte Erzeugerpreise, die ca. zehn bis 20 Prozent unter denen des Vorjahres liegen. Insgesamt hat sich die Stimmung in der Landwirtschaft aus Sicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands aufgrund sinkender Erzeugerpreise für Milch, Rindfleisch und Getreide sowie hoher Pachtpreise im Verlauf des Jahres 2014 merklich abgekühlt.

Zugleich sieht der Verband die Branche gefordert, die gesellschaftliche Debatte über die künftige Ausrichtung der heimischen Landwirtschaft weiter aktiv zu begleiten. „Wir fordern jedoch, dass die NRW-Landesregierung und die Bundesregierung die Anstrengungen unserer Branche vor allem im Bereich des Tierwohls anerkennt und konstruktiv begleitet. Hierbei muss man immer wieder auch das vielleicht Wünschenswerte vom Machbaren
trennen. Die hiesigen Erzeugerpreise für Nahrungsmittel spiegeln in unserem Land oft nicht deren wirklichen Wert. Wer eine nachhaltige Landwirtschaft auf stabiler Grundlage will, der muss anerkennen, dass hohe ökologische und soziale Standards nur durch wirtschaftlich gesunde Betriebe gewährleistet werden können“, umriss WLV-Präsident Röring abschließend die Erwartungen der Bauernfamilien an die Politik.

Quelle: Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband e.V., 18.09.2014


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