Ein ungewöhnliches Spektakel

27. August 2018 | 8:32 JT Termin

Am kommenden Wochenende, am 1. und 2. September, findet die 65. Weltmeisterschaft im Pflügen statt. Auf dem Hofgut Einsiedel (Landkreis Tübingen) treten die weltbesten Pflüger zum Wettkampf um die schönste Furche an.

Logo ©: Kuratorium Weltpflügen 2018 e.V.

Hoch über Kirchentellinsfurt liegt das Hofgut Einsiedel, der Ort, an dem die weltweite Pflügerelite bei der 65. Weltmeisterschaft im Pflügen am 1. und 2. September 2018 aufeinandertrifft. Der Niedersachse Florian Sander und der Westerwälder Sebastian Murkowski wollen den vermeintlichen Heimvorteil nutzen. Bereits im vergangenen Herbst begann die heiße Phase der Vorbereitung in unmittelbarer Nähe zu Stuttgart. Nicht nur die Teilnehmer nahmen die lange Reise auf sich, sondern auch die Wettbewerbsgeräte von Lemken, Kverneland und Fendt. Und wie bereitet man sich auf den großen Tag vor? „Das Gerät gehört ausgestattet, das heißt, dass man den Pflug mit den notwendigen technischen Hilfsmitteln ausstattet und richtig einstellt“, so der 28-jährige Sander, der erstmals bei einer Weltmeisterschaft an den Start geht. Aber auch Flächen, auf welchen die deutschen Teilnehmer für den Entscheid üben können, müssen vorhanden sein. Unterstützung erhalten die beiden Technikfans von ihren Pflügervereinigungen: Vereinsmitglieder stellen Übungsflächen zur Verfügung. Beim Training selbst ist vorerst jeder auf sich alleine gestellt, nur der Trainer und Vereinsmitglieder stehen mit Rat und Tat zur Seite. Eine Woche vor dem Entscheid findet das offizielle Training statt, wo sich alle vor Ort gemeinsam vorbereiten. Ein erstes Kräftemessen.

Perfekte Abstimmung erforderlich: Mensch und Pflug

Foto ©: Kuratorium Weltpflügen 2018 e.V.

Schon seit Jahrhunderten wird im Ackerbau der Pflug eingesetzt, um den Boden aufzulockern und für die Saat vorzubereiten. Heute passiert diese Tätigkeit mit einer hoch entwickelten Maschinerie. Trotz Technik kommt es aber nach wie vor auf den Menschen und seine Perfektion in der Pflugtechnik an. Sebastian Murkowski erklärt mit Blick auf seine frisch gezogenen Furchen: „Um bei der WM punkten zu können, muss ich auf eine Menge Kriterien achten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Das sind sehr viele, die kann ich gar nicht alle aufzählen. Am wichtigsten ist die Geradheit, die springt jedem zuerst ins Auge.“ Zudem soll die Arbeitstiefe eingehalten werden und gleichmäßig hohe und breite Furchen müssen gepflügt werden. Außerdem dürfen keine Löcher, aber auch keine Hügel auf dem Feld zurückbleiben. Die Kombination dieser Sammlung bestimmt über den Erfolg – nicht nur im Arbeitsalltag, sondern auch in der Wettbewerbssituation. Die Schare aus Stahl oder Kunststoff der perfekt eingestellten Pflüge werden in optimaler Tiefe durch den Mutterboden gleiten – gezogen von mehr oder weniger kleinen Traktoren. Beim Pflügen ist das Zusammenspiel von Traktor und Pflug zentral und es gibt viele messbare Kriterien, die auch für Laien sofort sichtbar sind. Man erkennt schnell, wer die Technik im Griff hat.

Internationales Flair am Neckar

Der Wettbewerb ist offen für Pflüger aus der ganzen Welt. Jedes Land darf maximal zwei Teilnehmer durch eine anerkannte Stelle, die die Pflügerinteressen im jeweiligen Land vertritt, melden. Voraussetzung dafür: Die Teilnehmer müssen sich bei einer nationalen Meisterschaft im Pflügen qualifiziert haben. Die Weltmeisterschaft im Pflügen wird in zwei Klassen ausgetragen: dem Dreh- und dem Beetpflügen. Dazu müssen die Teilnehmer in zwei Disziplinen gegeneinander antreten: dem Stoppel- und dem Graslandpflügen. Zur Weltpflügermeisterschaft am 1. und 2. September 2018 auf dem Hofgut Einsiedel in der Gemeinde Kirchentellinsfurt (Landkreis Tübingen) haben sich 27 Beetpflüger und 28 Drehpflüger angemeldet. Dass es sich beim Leistungspflügen um einen internationalen Feldsport handelt, zeigt die Herkunft der Teilnehmer aus 29 Nationen, von Australien über Kenia bis Wales, sind bei der nun mehr vierten Weltmeisterschaft in Deutschland vertreten. Leistungspflügen ist nicht nur ein Hobby für technikbegeisterte Männer. Zur 65. Weltpflügermeisterschaft treten auch zwei Damen an: die 24-jährige Emilia Bengtsdottir aus Schweden und die erst 16-jährige Hailey Gruber aus den USA, die damit auch die jüngste Teilnehmerin im Starterfeld ist. Ihr wurde die Leidenschaft für den Pflugsport in die Wiege gelegt. Ihr Vater Gene Gruber wurde im vergangenen Herbst Weltmeister im Beetpflügen in Kenia.

Zu sehen werden auch „alte Hasen“ der Szene sein, wie beispielsweise der 74-jährige David Carnegie aus Schottland oder der 15-fache Weltmeisterschaftsteilnehmer Evan Watkin aus Wales. Ein durchaus gemischtes Teilnehmerfeld, das Spannung verspricht.

Technik, die begeistert

Foto ©: Kuratorium Weltpflügen 2018 e.V.

Auf sein eigenes Gespann verzichten möchte keiner der Teilnehmer. Nahezu die gesamte Weltelite reist deshalb mit eigenem Wettkampfpflug, der mit dem Standard-Ackerpflug kaum mehr was gemeinsam hat, und Schlepper an. Die ersten Container wurden in Neuseeland bereits Anfang Juni beladen und auf die Reise um die halbe Weltkugel geschickt. Kaum in Deutschland angekommen, haben sich die beiden Pflüger von der anderen Seite der Weltkugel, Bob und Ian, nach einer Übungsfläche umgesehen. Und wie das Leben so spielt, konnten sich die zwei auf die Hilfe des ehemaligen WM-Teilnehmers Thomas König aus der Ortenau verlassen, der im nahe gelegenen Hailfingen seine Ausbildung absolvierte. Ein Anruf bei seinem Berufskollegen Alexander Kaiser genügte und drei Hektar Ackerland waren organisiert. Nach und nach trudeln nun laufend Container, LKWs und Teilnehmer ein – das internationale Zusammentreffen der Pflügerelite beginnt. Und wer stürmt am Ende das Podest, wird Weltmeister? Den Titel sichert sich derjenige, der von 2 mal 200 möglichen Punkten (200 für das Stoppelpflügen am Samstag und 200 für das Graslandpflügen am Sonntag) die meisten erreicht.

Attraktives und ganz besonderes Rahmenprogramm für Groß und Klein

Das Kuratorium Weltpflügen 2018 e.V., das vom Deutschen Pflügerrat e.V. extra für dieses besondere Spektakel ins Leben gerufen wurde, ist Gastgeber dieser traditionsreichen Veranstaltung. Die Geschäftsführung wurde an AgrarKontakte International e.V. – einem eigenständigen und eingetragenen gemeinnützigen Verein mit Sitz in Stuttgart, der seit annähernd 30 Jahren internationale Projekte im Agrar- und Ernährungsbereich managt, übertragen. Ohne die Unterstützung des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung, dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg, der Landwirtschaftlichen Rentenbank als auch dem Hauptsponsor Lemken und dem Gold-Sponsor BayWa/Fendt wäre solch eine Veranstaltung nicht durchführbar. Bei entsprechendem Wetter werden ca. 30.000 Gäste erwartet. Das sind viele. Jedoch nichts im Vergleich zu den Besuchermassen, die sich solch eine Veranstaltung auf der Grünen Insel anschauen. Dort treffen sich zu den irischen Pflügermeisterschaften jährlich 350 Teilnehmer und 300.000 Zuschauer.

Neben den Wettbewerben erwartet die Besucher ein hochattraktives und abwechslungsreiches Rahmenprogramm, das für jeden Besucher etwas bietet: Hohenheimer Feldtag mit Dampfpflugvorführung, Pferdepflügen, Landmaschinenvorführungen, Kinderland mit Maislabyrinth, historischem Kinderjahrmarkt, regionaler Spezialitäten- und Kreativmarkt, Modellflugvorführungen und vieles mehr. Eine Reihe von musikalischen Darbietungen – dazu zählt die SWR4 Sommernacht mit der Kölner Kultband „Die Höhner“ und Ballonglühen runden das Programm ab. Ein Highlight für Technikfans wird die einzigartige Oldtimerschau Traktoren „Made in Südwest“ mit zahlreichen Raritäten sein: 66 Traktoren gibt es in der Sonderschau Südwest zu bestaunen, 33 Traktoren kommen aus anderen Regionen. Eine Zusammenstellung, die es bisher noch nie gegeben hat.

Weiterführende Informationen:

Quelle: Kuratorium Weltpflügen 2018 e.V., 08.2018

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