Ende der Milchquote

10. März 2015 | 15:47 JT MilchviehNachrichtenNahrungsmittelOrganisationen/VerbändePolitik

Foto ©: JTG Agrar Service

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Mehr als dreißig Jahre gab es sie, jetzt ist Schluss mit der „Milchquote“. Ende März 2015 wird sie abgeschafft. Landwirte begrüßen das, weil damit ein weiteres Regulierungsinstrument der bürokratischen Brüsseler Planwirtschaft dem freien Markt Platz macht.

Was ist die Milchquote?

Mit der Milchquote wurde bislang bestimmt, wie viel Milch die Landwirte in den EU-Mitgliedsstaaten produzieren durften. Basis der Berechnung war die erzeugte Menge des „Milchwirtschaftsjahres“ 1983/84. Wer mehr produzierte, wurde bestraft mit der sogenannten „Superabgabe“. Sie war so hoch, dass eine Überproduktion unrentabel gewesen wäre.

Gleichwohl gab es immer wieder Länder, in denen sich die Bauern nicht an die EU-Vorgaben hielten. Zuletzt in Italien. Dort hätten nach Angaben des Landwirtschaftsverbandes Coldiretti 2.000 der etwa 36.000 italienischen Milcherzeuger Strafabgaben zahlen müssen. Allein in 600 Unternehmen lagen die Bußgelder bei mehr als 300.000 Euro pro Betrieb. Dass sich die Milchbauern darum nicht geschert haben, lag auch an der italienischen Regierung. Sie hatte zwischen 1995 und 2009 die Strafen in Milliardenhöhe einfach aus dem Staatshaushalt beglichen und damit nicht nur die Steuerzahler betrogen, sondern auch dem unlauteren Wettbewerb in Europa Vorschub geleistet.

Die Einführung der Milchquote verfolgte zwei Ziele: Einerseits sollten
starke Preisschwankungen verhindert werden, andererseits sollte die
Existenz vieler Milchbauern gesichert werden. Heute konstatieren
Landwirte, Agrar-Minister und Bauernpräsidenten gleichermaßen: Die
Milchquote ist gescheitert. Allein in Bayern hat sich die Zahl der
Milchbauern von 100.000 vor dreißig Jahren auf heute knapp 40.000
reduziert.

Zudem tun sich stetig neue Märkte auf. China, Indien, Indonesien, Nigeria
und Pakistan gelten heute als „Schlüsselmärkte“ für international
operierende Milchproduzenten. Eine Steigerung der Milchmengen um drei bis
vier Prozent, wie Experten prognostizieren, würde also auch auf eine
steigende Nachfrage treffen. Deutsche Produzenten könnten davon
profitieren, betont Dr. Bernd Scherer vom Verband Deutscher Maschinen- und
Anlagenbau (VDMA). Er sieht „ein gewaltiges Zukunftspotenzial für eine
marktorientierte Milchproduktion“ durch den Einsatz effizienzsteigender
Technik.

Dass mit dem Ende der Milchquote auch ein Ende kleinerer Betriebe
einhergehen könnte, sei nicht zu befürchten, argumentiert Günter Felßner.
Der stellvertretende Präsident des Bayerischen Bauernverbandes ist
überzeugt: „Für die Milchpreise wird viel wichtiger sein, wie sich der
Weltmarkt entwickelt.“ Kleinere Betriebe könnten vom Wachstum profitieren,
weil sie ihre Produktion erhöhen könnten, ohne Quotenanteile zukaufen oder
Strafen befürchten zu müssen.

Quelle: i.m.a – information.medien.agrar e.V., 05.03.2015


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