Fachgerechte Klauenpflege

4. Dezember 2013 | 11:28 JT AusbildungBetrieb SurmannMilchvieh

Foto: JTG Agrar Service

Am Montag wurden die Klauen der Kühe behandelt, aus diesem Anlass mal was zum Thema Klauengesundheit.

Eine gute Klauengesundheit von Kühen ist von große Bedeutung für die Leistungsfähigkeit.
Die Klauenpflege dient:

  • der Erhaltung der natürlichen Form der Klaue
  • der Erhaltung bzw. Wiederherstellung ausgewogener Belastungsverhältnisse
  • der Kontrolle der Klauengesundheit

Sie erlaubt die Früherkennung von Klauenerkrankungen und deren rechtzeitiger Behandlung.

Eine fachgerecht durchgeführte Klauenpflege bewirkt:

  • eine Korrektur der Lastverteilung
  • die Schaffung von ebenen Sohlenflächen
  • eine Korrektur der Lastverteilung innerhalb des Klauenpaares
  • eine Minderung der Umwelteinflüsse auf Ballen und Haut des Zwischenklauenspaltes

Reihenfolge:

  • Hinterbeine – Innenklaue
  • Hinterbeine – Außenklaue
  • Vorderbeine – Außenklaue
  • Vorderbeine – Innenklaue

Die 7 Schritte der Klauenpflege

  1. Beim Hinführen der Kuh in den Klauenpflegestand erfolgt ein Beurteilung
    • der Gliedmaßenstellung
    • der Fußung
    • auf Lahmheit
  2. Fixierung im Klauenpflegestand, anschl.
    • Reinigung der Klauen
    • Beurteilung
      – der Klauenform
         – normal
         – stark angewachsene Klaue
         – Rollklaue
         – chronische Reheklaue
      – bestehende Trachtenhöhe
      – Überprüfung der Sohlenfläche
         – auf lose Hornteile
         – eingetretene Fremdkörper
         – Klauenerkrankungenss
  3. Kürzen der Vorderwand und Beschneiden der Bodenfläche der Innenklaue
    Mit einem Messstab werden an der Vorderwand der Innenklaue 7,5 cm (gilt als Richtmaß) gemessen ab dem Übergang von der elastischen Haut des Kronsaumes zum harten Hornschuh. Dann wird die Klauenspitze im rechten Winkel zur bestehenden Sohlenfläche und rechtwinkelig zur Klauenlängsachse gekürzt.
    Danach folgt das Schneiden einer ebenen Sohlenfläche, die rechtwinkelig zur Längsachse des Hauptmittelfußknochens steht, wobei an der Klauenspitze sieben Millimeter des Anschnittes stehenbleiben müssen. Der Ballenbereich soll so hoch wie möglich verbleiben. Die sichtbare Sohlenhorndicke an der Klauenspitze (an senkrechter Anschnittfläche) nach dem Kürzen der Vorderwand muss ideal bei erwachsenen Rindern sieben bis acht Millimeter betragen (bei Kühen einen Millimeter pro 100 kg), bei Jungrindern mindestens fünf Millimeter.
    Besteht vor Beginn der Klauenpflege ein sehr deutlicher Höhenunterschied zwischen Innen- und Außenklaue, sollte die Innenklaue nur wenig oder vorerst gar nicht beschnitten werden. Bei Braunviehkühen muss die Vorderwandlänge acht cm betragen!
  4. Anpassen der Außenklaue
    Ziel ist die Entlastung der meist höheren Außenklaue. Diese wird in Länge und Sohlendicke der Innenklaue angeglichen, sofern dies möglich ist. Wenn die gleiche Höhe an der Außenklaue nur durch übermäßiges Dünnschneiden derselben erreicht werden könnte, dann ist es für die Kuh besser, dass die Sohlendicke an der Außenklaue ausreichend stark und damit etwas höher als die Innenklaue bleibt.
    Um zu prüfen, ob die Außenklaue gleich lang ist wie die Innenklaue, müssen die Vorderwände beider Klauen mit der Hand auf die gleiche Ebene, parallel, gebracht werden. Wichtig für die Kontrolle der Höhe ist der Blick in der Längsachse des Rohrbeines auf die Ballen: nur so kann man die Höhe beider Klauen wirklich beurteilen und eine unterschiedliche Höhe feststellen.
    Nach Herstellung von gleich langen und hohen Sohlenflächen verteilt sich das Gewicht gleichmäßig auf die gesamte Sohlenfläche und den Trag¬rand. Mit dem Blick von hinten auf die Ballen kontrolliert man auch, ob die Sohlenfläche der bearbeiteten Klauen eben und rechtwinkelig zur Mittelachse der Zehen steht.
  5. Herausarbeiten einer Hohlkehlung
    Im hinteren, inneren Bereich der Sohle, hinter dem auslaufenden inneren Trag¬rand, eine Hohlkehlung schneiden. Sie gewährleistet die notwendige Mikrobewegung der Sohle und Selbstreinigung (Klauenmechanismus).
    Die Hohlkehlung umfasst etwa ein Drittel der Sohlenbreite und muss ohne Kante in das Sohlenhorn übergehen. Der innere Tragrand darf nicht beschnitten werden, da dies zu Instabilität der Klaue und zu Spreizklauen führen würde.
  6. Bearbeiten von Defekten im Sohlen- und Wandhorn (Entlastung erkrankter Sohlenbereiche)
    Ist nur dann nötig, wenn echte Defekte vorhanden sind. Defekte wie lose Wände, Doppelsohlen, abgelöstes Ballenhorn, Sohlengeschwüre, Klauenspitzengeschwüre oder Wandgeschwüre werden ausgeschnitten. Auf jeden Fall sind solche Bereiche zu entlasten. Das Horn rundherum wird mit flachem Übergang zum gesunden Bereich (steile Kanten sind unbedingt zu vermeiden) ausgeschnitten, bei Sohlen- und Wandgeschwüren ist auch der Tragrand in diesem Bereich wegzunehmen, damit der gesamte Defekt nach Entlastung ohne Bodenkontakt „schwebt“.
    Bei großen Sohlendefekten, die über die halbe Sohlenlänge nach vorne reichen, ist ein Holz- oder Plastikklotz auf die gesunde Nachbarklaue zu kleben. Bei tiefreichenden Infektionen (mit Schwellung am Ballen/Krone) ist ein chi¬rurgischer Eingriff durch den Tierarzt nötig.
  7. Entfernung von losem Horn, Kürzen der Afterklauen, Kontrolle der Haut des Zwischenklauenspaltes
    Zerfurchtes Horn im Weichballenbereich muss freigelegt werden, um die Ballenfäule zu behandeln bzw. ihr vorzubeugen. Der Tragrand wird nur dann bearbeitet, wenn scharfe Horngrate vorstehen, ansonsten wird der Tragrand nicht abgerundet („Der Tragrand ist zum Tragen da“). Weiters: Kürzen der Afterklauen („so lang wie breit“) mit der Zange, abschließend Kontrolle der Haut des Zwischenklauenspaltes und des Kron- und Ballensaumes auf Erkrankungen (Mortellaro-K., Limax, Interdigitalphlegmone, Wunden).

Quelle: https://www.bauernzeitung.at

 

 

 

 


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