Getreide in der Fütterung noch besser verwerten

11. April 2016 | 9:31 JT FuttermittelGetreideOrganisationen/VerbändeTierproduktionTierwohl

Foto ©: JTG Agrar Service

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Um Futtergetreide möglichst nährstoffeffizient einzusetzen, bedarf es vor allem einer genaueren Erfassung des Futterwertes und einer passgenauen Ergänzung in der Ration. Chemische, mikrobiologische und druckhydrothermische Veredelungsverfahren können ergänzend die Verwertung des Getreides verbessern. Betrachtungen und Ergebnisse dazu lieferte kürzlich ein Workshop im Rahmen der 70. Jahrestagung der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover.

Getreide ist in vielen Regionen in der Nutztierfütterung das wichtigste Futtermittel. Weizen, Gerste, Triticale, Roggen, Hafer und Mais liefern vor allem viel Stärke und damit Energie, aber auch ihr Beitrag zur Protein- und Aminosäurenversorgung ist bei hohen Anteilen in der Futterration erheblich. Um das Getreide in der Fütterung optimal zu verwerten, ist die möglichst präzise Kenntnis der Nährstoff- und Energiegehalte sowie deren Verdaulichkeit Voraussetzung. Grundsätzlich gilt zunächst, je höher die Verdaulichkeit, desto besser der Futterwert. Allerdings spielt beim Wiederkäuer auch die Abbaukinetik der Stärke und des Proteins in den Vormägen für den Futterwert eine Rolle. Beispielsweise wird die Stärke bei Weizen, Gerste, Triticale bei einer Passagerate des aufgenommenen Futters von fünf Prozent/Stunde zu etwa 85 Prozent bereits im Pansen abgebaut. Bei Roggen und Hafer liegen die Werte sogar noch etwas höher. Maisstärke wird unter diesen Bedingungen dagegen nur im Mittel nur zu etwa 60 Prozent im Pansen abgebaut, wobei es zwischen den Genotypen (Sorten) größere Unterschiede gibt.

Im Prinzip kann die Verdaulichkeit von Getreide auch durch eine chemische Behandlung partiell noch etwas verbessert werden. Versuche mit Natronlauge-, Formaldehyd- oder Ammoniak-Behandlungen hatten in der Vergangenheit positive Effekte gezeigt. Jedoch gibt es aufgrund der Aggressivität dieser Stoffe Probleme in der routinemäßigen Anwendung. Der Trend geht daher in letzter Zeit eher zur Verwendung von organischen Säuren, wie zum Beispiel Propion-, Fumar,- Apfel-, Milch- oder Zitronensäure.

Insbesondere in der Schweinefütterung werden in neuerer Zeit einzelne Rationskomponenten oder die komplette Futtermischung auch fermentiert, das heißt, sie werden stark angefeuchtet und anschließend einer kurzen Milchsäuregärung unterzogen. Man nutzt dabei diätetische Vorteile des angesäuerten Futters, aber auch positive Effekte auf die Verdaulichkeit, besonders des Phosphors. Allerdings kostet jedes mikrobielle Geschehen auch Futterenergie. Außerdem können bei einer nicht durch den gezielten Einsatz von Milchsäurebakterien gesteuerten Fermentation auch zugesetzte freie Aminosäuren abgebaut werden und Probleme bei der Futteraufnahme auftreten.

Der Futterwert von Getreide kann auch durch die Anwendung von druckhydrothermischen Verfahren verbessert werden. Durch Autoklavieren, Flockieren, Expandieren, Extrudieren und Pelletieren kann die enthaltene Stärke teilweise aufgeschlossen, die Faltungsstruktur von Proteinen modifiziert und enthaltene antinutritive Inhaltsstoffe zerstört werden. Solche Effekte kommen vor allen Jungtieren zugute, deren Verdauungssystem noch nicht voll entwickelt ist. Mit derartigen Verfahren lässt sich darüber hinaus auch die Chymusviskosität erhöhen und die Sedimentationsneigung von Grobpartikeln in der Flüssigfütterung vermindern. Die Optimierung dieser Verfahren bietet wie bei der Fermentation noch weiteres Po-tenzial zur Verbesserung des Futterwertes.

Quelle: Gesellschaft für Ernährungsphysiologie(GfE), 08.04.2016


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