Gewinne noch nicht ausreichend

28. November 2017 | 8:51 JT BetriebsführungOrganisationen/Verbände

Gewinn- und Ver­lustr­echnung (GuV) mit fik­tiven Werten. Tabelle ©: JTG Agrar Service

Auf der Basis der ersten Buchführungsergebnisse stellen die Landwirtschaftskammern ihre Auswertung der ökonomischen Entwicklung landwirtschaftlicher Haupterwerbsbe­triebe für das Wirtschaftsjahr 2016/2017 vor.

Unternehmensergebnisse dicht am fünfjährigen Durchschnitt

Die mit Beginn des Wirtschaftsjahres 2016/17 einsetzende Preiserholung auf den Märkten für Vieh, Fleisch und Milch brachten nach zwei Jahren mit deutlichen Einkommensverlus­ten wieder steigende Unternehmensergebnisse im Bereich der Tierproduktion. Bei den Milchviehaltern war der absolute Einkommenszuwachs jedoch zu gering. Die Lage der Futterbaubetriebe bleibt noch immer angespannt. Deutlich besser sah es für die Schwei­nehalter aus. Die Schweinehaltung wurde im Jahre 2016/17 wieder wirtschaftlich. Umsatzeinbußen bei Getreide und Raps wurden durch Erlöszuwächse im Hackfrucht-und Feldgemüseanbau nicht kompensiert. Nach einem mäßigen Vorjahr mussten die Acker­baubetriebe wiederum empfindliche Gewinneinbußen hinnehmen.

Erträge der Feldfrüchte unter dem Vorjahr

Der Getreideertrag im Erntejahr 2016 lag insgesamt um bis zu 16 % niedriger als im Vor­jahr. Er traf etwa den Mittelwert der Jahre 2010 bis 2015. Allerdings fiel die Qualität der Ernte, abhängig vom jeweiligen Witterungsverlauf, regional sehr unterschiedlich aus. Obwohl die Anbaufläche für Raps im Wirtschaftsjahr 2015/16 ausgedehnt wurde, gab die Erntemenge nach. Gerade hier zeigen sich aber große regionale Unterschiede. Für den Kartoffelanbau waren die Witterungsbedingungen ungünstiger. Im Vorteil waren leichtere Standorte unter Bewässerung. Die Kartoffeln zeigten eine verzögerte Bestands­entwicklung, die nicht mehr kompensiert werden konnte. Die Erträge bei den Zuckerrüben entwickelten sich differenziert, konnten jedoch zum Teil durch hohe Zuckergehalte ausgeglichen werden.

Marktfrüchte mit unterschiedlichen Preisentwicklungen

Trotz geringerer heimischer Erntemengen gaben die Erzeugerpreise für Getreide zwi­schen 5,5 % in Schleswig-Holstein und 7,7 % in Rheinland-Pfalz nach. Gängige Getreide­preise rangierten zwischen 14 und 15 EUR/dt. Weltweit große Ernten sorgten für einen ausreichend versorgten internationalen Markt. Bei knappem Angebot bewegten sich die Kurse für Raps regional uneinheitlich. Die Spanne reicht von -7 % im Saarland bis zu +2 % in Niedersachsen. Dies entspricht abso­luten Beträgen zwischen 35 und 38 EUR/dt. Die Spanne erklärt sich aus den unterschied­lichen Möglichkeiten, die Regionen mit Importen versorgen zu können sowie unterschied­lichen Vermarktungsstrategien.
Nach dem deutlichen Preiszuwachs für Kartoffeln im Jahre 2015 führten Mindererträge zu abermals ansteigenden Erzeugerpreisen. Gängige Zuwachsraten bewegten sich zwi­schen 3 % in Rheinland-Pfalz und 8 % in Nordrhein-Westfalen. In Niedersachsen beka­men die Landwirte knapp 13 EUR/dt und in Nordrhein-Westfalen knapp 15 EUR/dt im Mit­tel aller Verwertungsformen für Kartoffeln. Bei Zucker standen die internationalen Märkte nicht mehr unter dem hohen Druck des Vorjahres. Alles in allem konnten Preise zwischen 33 EUR/dt in Schleswig-Holstein und 39 EUR/dt in Rheinland-Pfalz verzeichnet werden. Überwiegend wurden die Rüben mit 34 EUR/dt vergütet.

Milchpreis stabilisierte sich

Nach einem drastischen Rückgang des Milchpreises in den zurückliegenden zwei Wirt­schaftsjahren stabilisierte sich der Markt im Betrachtungszeitraum. Seit langem wurde im Herbst 2016 wieder die Marke von 30 Cent je kg erreicht bzw. überschritten; dabei blieb es dann aber auch. Über das Wirtschaftsjahr 2016/17 hinweg gesehen erholte sich der Milchpreis zwischen 4 % im Saarland und gut 31 % in Schleswig-Holstein. Der durchschnittliche Milchauszah­lungspreis bewegte sich mit geringen regionalen Abweichungen um die 30-Cent-Marke je kg.

Preise für Rindfleisch tendieren um Vorjahreswert

An den Märkten für Rindfleisch herrschte wegen Überversorgung Nervosität. Vor allem der Importstopp Russlands hielt den Rindfleischmarkt weiterhin unter Druck. In der Quint­essenz stagnierten die Preise jedoch auf dem Vorjahresniveau. Über das gesamte Wirtschaftsjahr 2016/17 hinweg gesehen notierten die Landwirtschafts­kammern leicht sinkende (-2,6 % in Nordrhein-Westfalen) bis leicht steigende Rindfleisch­erlöse (+2,4 % im Saarland). Wie schon in den zurückliegenden Jahren wurden Mastbul­len zwischen 1.000 und gut 1.300 EUR je Tier verkauft.

Wieder auskömmliche Preise für Schweinefleisch

Bereits seit 2014 mussten die Erzeuger unbefriedigende Schweinepreise hinnehmen. Die­ser Zustand hat sich im Herbst 2016 verändert; die Preise stiegen wieder an. Besonders die asiatischen Märkte (vornehmlich China) zeigten eine rege Nachfrage nach Schweine­fleisch aus der EU. Dies führte zu positiven Impulsen am Markt. Über das gesamte Wirtschaftsjahr 2016/17 hinweg gesehen wurde ein Preisanstieg für die Schlachtschweine von etwa 20 %realisiert. Insofern ergaben sich Erlöse zwischen 151 und 154 EUR je Mastschwein.

Ferkel stabilisierten sich

Nach schwierigen Jahren für die Ferkelproduzenten stabilisierten sich im Sog des Schwei­nefleischmarktes auch die Ferkelpreise. So wurden mit Beginn des Wirtschaftsjahres 2016/17 wieder kostendeckende Ferkelpreise erzielt. Höhere Anforderungen an die Tierhaltung sorgten für eine weitere Abnahme des Ferkel­angebotes. Die Versorgung konnte oftmals nur durch gestiegene Importe gedeckt werden. Für Ferkel deutscher Herkunft wurden sogar Preisaufschläge gezahlt. Im Lichte eines weiter knappen Ferkelangebotes und guter Absatzmöglichkeiten zogen die Ferkelpreise – über das gesamte Wirtschaftsjahr hin betrachtet – zwischen 28 % in Rheinland-Pfalz und 35 % in Niedersachsen an. Überwiegend lagen die Preise zwischen 50 und 53 EUR je Tier.

Spezialkosten mit unterschiedlichen Tendenzen

Kostenreduzierungen ließen sich im Wirtschaftsjahr 2016/17 bei Düngemitteln realisieren (-25 % bis -14 %). Auch bei Strom, Heizstoffen und Wasser reduzierten sich die Ausga­ben zwischen 2 und 7 %. Die Aufwendungen für Treib-und Schmierstoffe zogen dagegen moderat an. Die niedrigen Getreidepreise wirkten sich auf die Ausgabensituation für Futtermittel positiv aus. Gegenüber dem Vorjahr konnten zwischen 2 % in Rheinland-Pfalz und 7 % in Schleswig-Holstein eingespart werden. Vor allem die höheren Ferkelpreise führten dazu, dass für Tierzukäufe tiefer in die Tasche gegriffen werden musste. Hier ist die Spanne zwischen 17 und 29 % zu benennen. Allein das Saarland, in dem praktisch keine Schweine mehr gehalten werden, steuerte gegen den Trend. Bei Tierzukäufen wurde es um 18 % günstiger.

Gemeinkosten entwickelten sich uneinheitlich

Die Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen erfolgte weiterhin auf Sparflamme, da die vorausgegangenen zwei Jahre schlecht ausgegangen waren und erhebliche Finanzlöcher gestopft werden mussten. Nur vereinzelt investierten Betriebe und setzten auf Wachstum. Demzufolge zeigten sich nur geringe Veränderungen bei den Abschreibungen. Pacht und Mietaufwendungen stiegen dagegen erneut zwischen 1 und 4 % an.

Katerstimmung im Ackerbau

Kartoffeln, Zuckerrüben und Feldgemüse brachten im Wirtschaftsjahr 2016/17 solide Um­satzerlöse ein. Getreide und Raps führten dagegen zu Mindereinnahmen. Großen Ein­fluss nahm die Frage, ob betrieblich bzw. regional mehr Hackfrüchte oder mehr Drusch­früchte angebaut wurden. In der Gesamtschau dominierte aber der negative Effekt der Halmfrüchte. Insofern mussten die Ackerbaubetriebe erneut Einbußen hinnehmen.
In Niedersachsen, dem Zentrum der Kartoffelerzeugung, wurden noch 69.000 EUR Unter­nehmensergebnis erzielt. Dies entspricht einer Nettorentabilität von 84 %. In Schleswig-Holstein ist ein drastischer Einkommenseinbruch von sogar 40 % zu konstatieren. Dort konnten die reduzierten Umsatzerlöse für Getreide und Raps nicht durch stabilisierende Faktoren aus dem Kartoffel-, Zuckerrüben-oder Feldgemüseanbau ausgeglichen werden. Der Ackerbau schloss in Schleswig-Holstein mit nur völlig ungenügenden 28.000 EUR im Unternehmensergebnis ab. Die Nettorentabilität erreichte 34 %.
Sieht man von diesen beiden Extremwerten der aufgezeigten Spanne ab dominierten Un­ternehmensergebnisse um 50.000 EUR.

Unternehmensergebnisse der Futterbaubetriebe erholten sich kaum

Nachdem viele Milchviehalter in den zurückliegenden Jahren aufgeben mussten, ist der Markt mittlerweile spürbar entlastet. Bei anziehenden Milchpreisen brachte das Wirt­schaftsjahr 2016/17 die Trendwende. Die Unternehmensergebnisse stiegen wieder etwas an und erreichten Größenordnungen zwischen 45.000 EUR (Rheinland-Pfalz) und
58.000 EUR (Schleswig-Holstein). Daraus resultierten Werte für die Nettorentabilität zwi­schen 64 und 79 %. Dadurch wurden auch im Wirtschaftsjahr 2016/17 die gängigen be­triebswirtschaftlichen Ziele verfehlt: mindestens 70.000 EUR Unternehmensergebnis und mindestens 100 % Nettorentabilität.

Anders stellt sich die Entwicklung im Saarland dar. Witterungsbedingte, deutliche Einbrü­che bei der Grundfutterversorgung verursachten einen Rückgang der erzeugten Milch­menge je Kuh um 8 %. So erklärt sich der weitere Rückgang der saarländischen Unter­nehmensergebnisse von 41.000 EUR im Vorjahr 2015/16 zum Wirtschaftsjahr 2016/17 auf 33.000 EUR. Auch die Nettorentabilität rutschte von 62 % auf 41 % weiter ab.

Schwein gehabt

Die meisten Schweine werden in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gehalten. Deshalb sind Angaben gerade zu diesen Ländern besonders aussa­gefähig: Nach einem Durchschnittsergebnis von rund 30.000 EUR in den beiden Vorjah­ren erreichten die Unternehmensergebnisse der spezialisierten Schweinehalter nunmehr
81.000 EUR. Die Nettorentabilität dieser Betriebsform lag in den beiden oben genannten Bundesländern deutlich über 100 %. Es wurden Unternehmergewinne um 10.000 EUR er­wirtschaftet. Das heißt, die Schweinehaltung wurde im Jahre 2016/17 wieder wirtschaft­lich. Nach schweren Jahren, die auch etliche Existenzen kostete, konnten die Schweine­halter in einen Konsolidierungsprozess eintreten.

Weinbaubetriebe „trotzen“ geringerer Ernte

Die Weinmosterträge waren im Wirtschaftsjahr 2016/17 mit knapp 97 hl/ha Ertragsrebflä­che um gut 4 % geringer als im Vorjahr. Auch stiegen die Kosten für Pflanzenschutz (+12 %), für Diesel (+6 %), für Lohnarbeit/Maschinenmiete (+7 %) und für Personalauf­wand (+7 %) im letzten Wirtschaftsjahr. Wegen höherer Verkaufserlöse für Trauben/Maische (+8 %), Fasswein (+8 %) und Fla­schenwein (+3 %) und dem Ausgleich fehlender Erntemengen durch Lagerbestände konnten Weinbaubetriebe, bei gleicher Betriebsgröße, ihre Umsatzerlöse um fast 17.000 EUR steigern. Die Unternehmensergebnisse der ausgewerteten Weinbaubetriebe stiegen im Wirtschaftsjahr 2016/17 auf fast 79.000 EUR (+8 %) im Durchschnitt.

Gewinne steigen wieder: Situation bleibt aber angespannt

Im Durchschnitt aller Betriebe und aller Regionen erhöhen sich die Gewinne zwischen 8 und 62 %. Diese beachtlichen prozentualen Steigerungen kommen nur durch das nied­rige Vorjahresniveau zustande. Erreicht werden absolute Größenordnungen zwischen
31.000 und 61.000 EUR. Das entspricht in etwa dem Durchschnitt der zurückliegenden fünf Wirtschaftsjahre. Dieser Mittelwert ist durch die schlechten Ergebnisse der zurücklie­genden zwei Jahre deutlich gesunken. Das heißt, dass die Gewinne des Wirtschaftsjahres 2016/17 noch immer nicht ausreichen, um die eingesetzten Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital voll zu entlohnen. Im Durchschnitt aller Betriebe und aller Regionen lag ein Unternehmergewinn damit auch im abgeschlossenen Wirtschaftsjahr in weiter Ferne.

Alarmierend bleibt festzuhalten, dass immerhin 10 % aller Betriebe sogar Verluste schrie­ben. Lediglich weniger als ein Drittel überschreiten die angestrebte Gewinnhöhe von
80.000 EUR, die eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht.

Quelle: Verband der Landwirtschaftskammern (VLK), 23.11.2017


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