Gülle sicher lagern und entnehmen

27. Mai 2014 | 8:58 JT ArbeitssicherheitDüngenGülleNachrichtenVideo

Foto: JTG Agrar Service

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Güllegase sind unsichtbar und wirken bereits in kleinsten Mengen wie Nervengift.
Sie betäuben den Geruchssinn und lähmen die Atmung.

Neben Schwefelwasserstoff befinden sich auch Methan, Ammoniak und Kohlendioxid
in der Gülle. Einige dieser Güllegase sind in Verbindung mit einem Zündfunken,
wie er zum Beispiel beim Flexen oder Schweißen entstehen kann, hochexplosiv. Offenes Feuer, brennende Zigaretten oder Funkenflug sind in der Nähe von Güllegruben tabu. Verstärkt werden die Wirkungen der Gase durch Umrühren, Pumpen oder
ähnliche Arbeiten – hier ist besondere Vorsicht geboten. „Der Landwirt hat kaum
Chancen, zu erkennen, ab wann er in ernsthafter Gefahr ist. Das macht die Arbeiten
an der Güllegrube so gefährlich“, resümiert Peter Seidl, Vorstandsmitglied der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) und selbst landwirtschaftlicher Unternehmer. Sein Rat an die Berufskollegen: Von vorneherein die
besondere Gefährdung durch Gülle einkalkulieren und rechtzeitig Vorsichtsmaßnahmen
ergreifen.

Die Hauptgefahren bei der Arbeit mit Flüssigmist sind Vergiftungen, Explosionen,
Stürze ins Güllelager und Erstickungen. Vor allem bei der Lagerung und Entnahme
kann es zu lebensgefährlichen Situationen kommen. Folgendes sollte beachtet werden:

  • nie ohne Schutzmaßnahmen ins Güllelager einsteigen
  • kein offenes Feuer oder Funkenflug in der Nähe von Güllelagern
  • Deckel, Umwehrungen und Verschlüsse regelmäßig auf Verschleiß prüfen
  • Deckel von geschlossenen Güllegruben insbesondere auf Befahrbarkeit und Durchtrittsicherheit prüfen
  • bei geschlossenen Güllelagern für ausreichende Belüftung sorgen, insbesondere beim Aufrühren und bei der Entnahme. Zur Belüftung müssen zwei sich gegenüber liegende Deckel mit ausreichend großen Lüftungsgittern vorhanden sein

Güllelager gegen Hineinfallen sichern

Offene Gruben benötigen mindestens eine 180 cm hohe Umwehrung, zum Beispiel
einen Schutzzaun. Solche Zäune altern im Laufe der Zeit. Haltepfosten können abrosten
oder brechen. Die Zäune sind deshalb regelmäßig zu überprüfen. Ein 30 cm
hoher Anfahrsockel verhindert das Abstürzen von Fahrzeugen. Die Umwehrung darf
nicht übersteigbar sein. Ein großes Sicherheitsplus sind abschließbare Entnahmeöffnungen.
Sie ermöglichen das Entnehmen von Gülle, ohne dass gefährliche Öffnungen
in der Umwehrung entstehen. Sichere Entnahmeöffnungen verhindern vor allem
auch, dass Kinder in die Grube gelangen. Ist bei geschlossenen Gruben die Abdeckung
geöffnet – etwa bei der Entnahme – muss eine Gittersicherung das Abstürzen
verhindern. Die sicherste Lösung sind feste Entnahmestutzen, weil damit fürs Abpumpen
der Gülle gar keine Bodenöffnung notwendig ist.

Der Bayerische Rundfunk hat zum Thema „Gefährliche Güllegase“ einen kleinen Beitrag gedreht. Hier geht`s zum Film.

Quelle: Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG), 22.05.2014


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