Keine Überschreitung der Nitratwerte

18. August 2017 | 9:53 JT Organisationen/VerbändeUmweltVerbraucherWasser

Foto ©: JTG Agrar Service

Auf Grund der aktuellen Berichterstattung durch die Deutschen Wasserverbände und der sich daraus ergebenden öffentliche Diskussion zur Belastung der Böden und damit des Grundwassers, durch die Landwirtschaft hat der JTG Agrar Blog folgende Frage an die Stadtwerke Münster gestellt und auch Antworten aus der Pressestelle erhalten.

Die Fragen und Antworten beziehen sich immer auf das Versorgungsgebiet der Stadtwerke Münster.

Frage: Wie viele Trinkwasserbrunnen überschreiten den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat?

Antwort: „Kein Trinkwasserbrunnen der Stadtwerke Münster überschreitet den Grenzwert.“

Anm. der Redaktion: Privaten Brunnen wurden nicht berücksichtigt.

Frage: Um wie viel?

Antwort: „Das Trinkwasser weist Nitratwerte zwischen 6,7 und 13,4 mg/l auf. „

Quelle und ©: Stadtwerke Münster

Frage: Wie viele Denitrifikationsanlagen gibt es in Relation zur Zahl der Brunnen? Wie viele sind aktiv?

Antwort: „Die Stadtwerke Münster betreiben keine Denitrifikationsanlage.“

Frage: Wurden Brunnen geschlossen? Wo, wann und warum?

Antwort: „Es wurden keine Brunnen auf Grund erhöhter Nitratgehalte geschlossen.“

Frage: Welches Pflanzenschutzmittel kommt in welcher Menge vor? Welche Grenzwerte werden überschritten?

Antwort: „Die Stadtwerke Münster analysieren auf eine Vielzahl an Pflanzenschutzmitteln, es sind keine Grenzwertüberschreitungen im Trinkwasser nachzuweisen.“

Frage: Wie ist die Belastung des Trinkwassers und des Abwassers mit Antibiotika? Woher kommt die Belastung?

Antwort: „Die Stadtwerke Münster analysieren auf eine Vielzahl an Humanpharmaka. Auch hier können keine Überschreitungen des GOW (gesundheitlicher Orientierungswert) nachgewiesen werden.“

Fazit: Für das Versorgungsgebiet der Stadtwerke Münster stimmen die Behauptungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nicht!

Warum stellt der JTG Agrar Blog diese Fragen: In einem Aufruf des Bauernverband Schleswig-Holstein wurden einige Behauptungen des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) als Dachorganisation in Frage gestellt.

Aufruf des Bauernverbandes Schleswig-Holstein im Wortlaut:

Logo ©: Bauernverband Schleswig-Holstein

Wasserverbände fordern Gülle-Stopp!

Deutsche Wasserverbände, oft von landwirtschaftlichen Vorständen geleitet, halten „die großindustrielle Agrarwirtschaft“ für eine Gefahr. „Jedes Jahr wird in Deutschland viel mehr Gülle auf den Feldern ausgebracht als Pflanzen und Böden aufnehmen können.“ Wie kann das sein?

Verbraucher würden zur Kasse gebeten, kritisiert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) als Dachorganisation und droht für das Trinkwasser eine Preissteigerung von 60 Prozent an. Zur Info: Jeder Bürger zahlt täglich 0,24 Euro für sein Trinkwasser (Quelle: BDEW). Das wären dann also maximal 38 Cent. Am Tag. Für das lebenswichtigste Gut. Wenn es denn so käme.

Denn Zahlen liefert der BDEW nicht, auch wenn er klagt: Viele Wasserwerke müssten immer mehr Gegenmaßnahmen treffen, um die hohe Trinkwasserqualität in Deutschland zu erhalten, sogar vermehrt Denitrifikationsanlagen in Betrieb nehmen.

Auf unsere Anfrage über die Zahl solcher Anlagen erhielten wir keine Antwort. Stattdessen verweist der Verband auf das Umweltbundesamt (UBA). Dieses berechnete „hypothetische“ Kosten, weil keiner der „beteiligten Wasserversorger derzeit eine zur Nitratentfernung erweiterte Trinkwasseraufbereitung mit dem Ziel der Nitratentfernung durchführt“. Anzahl der Denitrifikationsanlagen: Null???

Auch auf unser Nachbohren blieb der BDEW nebulös: „Dort, wo die Probleme im Einzelfall nicht mehr vorliegen, wurden kostenintensive Reparaturlösungen zu Lasten der Bevölkerung ergriffen. Dazu gehören neue Brunnen, Brunnen-Tieferlegungen, Zuführen von Fremdwasser, Mischen und Nitrataufbereitungen.“ Auf die Frage, wo das denn geschehe – keine Antwort. Stattdessen der Verweis auf die UBA-Studie, die „beispielhafte Kosten“ berechne. Eine im Wortsinn „unterirdische“ Kritik an der Landwirtschaft!!!

Zum Thema Antibiotika im Wasser verweist der BDEW auf – das UBA. Eine Studie zeige die „insbesondere durch die hohen Güllezufuhren ausgelösten Belastungen im Grundwasser mit Tierarzneimitteln auf“. Dumm für den BDEW: Wir waren an der Erarbeitung der Studie beteiligt. Sie ist erstens nicht repräsentativ und berichtet vor allem von sehr geringen Konzentrationen. So wurden 48 Standorte in vier Bundesländern untersucht. An neun Standorten gab es Funde, die jedoch in ihrer Mehrheit nur sehr geringe Konzentrationen, teils unterhalb der Bestimmungsgrenze (!) umfassten. Bei Untersuchungen in Schleswig-Holstein betrug der Anteil der Funde 2 von 10.

Alle Funde bezogen sich auf Sulfonamide, echte Uralt-Antibiotika. Beim Sulfamethoxazol erwies sich der Eintrag aus Kleinkläranlagen mit häuslichem Abwasser als hoch konzentrierte Eintragsursache. Alle übrigen Standorte wurden dem Wirtschaftsdünger zugeordnet. Die Konzentrationen der Wirkstoffe Sulfadimidin und Sulfadiazin lagen jedoch deutlich unterhalb von 0,1 µg/l.

Kein Agrar-Problem also. Unsere Frage nach den Antibiotika-Werten in Kläranlagen wurde wie gewohnt nicht beantwortet. Wahrscheinlich hat das UBA keine Daten…

In seiner Petition fordert der BDEW angesichts solch „dramatischer“ Zahlen eine Agrarwende: Weg von der großindustriellen Agrarwirtschaft. EU-Agrargelder müssten in die gewässer- und umweltverträgliche Landwirtschaft fließen, anstatt pauschal an Betriebe „mit Massentierhaltung und Überdüngung“.

Die Formulierungen kommen einem falsch aber bekannt vor? Kein Wunder, schließlich führten Greenpeace, der BUND und Germanwatch den Stift. Sie fordern:

  1. Sofortiger Dünge-Stopp, wenn der Grenzwert von 50 mg/l Nitrat überschritten wird!
  2. Verpflichtende Stoffstrombilanzen ab 2018!
  3. Gülle-Transporte bundesweit überwachen und Importe in nitratgefährdeten Gebieten stoppen!
  4. Milliarden-Subventionen für die großindustrielle Agrarwirtschaft umschichten!

Mitglieder des BDEW sind neben Stadtwerken zahlreiche ländliche Wasserverbände. Wir möchten dazu auffordern, den Versorger vor Ort zu befragen. Es geht um Folgendes:

  • Wie viele Trinkwasserbrunnen überschreiten den Grenzwert von 50 mg/l Nitrat? Um wie viel? Wo liegen diese Brunnen?
  • Wie viele Denitrifikationsanlagen gibt es in Relation zur Zahl der Brunnen und wie viele sind aktiv?
  • Wurden Brunnen geschlossen? Wo, wann und warum?
  • Welches Pflanzenschutzmittel kommt in welcher Menge vor, welche Grenzwerte werden überschritten?
  • Wie ist die Belastung des Trinkwassers und des Abwassers mit Antibiotika, woher kommt die Belastung?

Helft uns, fragt nach, berichtet. Denn es geht nicht nur um den guten Ruf der Landwirte, sondern um unser aller Wasser!

Die Mitgliederliste des BDEW:

https://www.bdew.de/internet.nsf/id/8DWJTN-DE_Mitglieder…

P.S. Nach der DüngeVO ist vor der DüngeVO?

Hier noch ein Zitat des BDEW vom 12. Juli 2017 (!): „Viele Verbraucher sind aufgrund der bekannten Fakten über die massive Überdüngung der Felder sensibilisiert worden. Wir brauchen endlich ein wirksames und nachhaltiges Düngerecht, das das vielerorts übermäßige Düngen der Felder stoppt.“

Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser „

 

Eine Antwort zu “Keine Überschreitung der Nitratwerte”


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