Ländliche Lebensverhältnisse im Wandel

16. September 2014 | 8:53 JT InfografikNachrichtenOrganisationen/VerbändeZukunft

Eine Langzeitstudie beleuchtet die Entwicklung in 14 ausgewählten Orten in Deutschland – Empirische Erhebungen der vierten Untersuchungsfolge sind nun abgeschlossen.

  • Wovon lebt die Bevölkerung auf dem Land?
  • Wie wachsen die Kinder auf?
  • Wer pflegt die Alten?

Niemand kann das besser beantworten als die Menschen, die im Dorf wohnen. Als Experten vor Ort sind sie die wichtigste Quelle für die Verbundstudie „Ländliche Lebensverhältnisse im Wandel 1952, 1972, 1993 und 2012“, die das Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig in Zusammenarbeit mit sechs weiteren deutschen Forschungseinrichtungen seit eineinhalb Jahren bearbeitet und koordiniert. Was das Forschungsprojekt einzigartig macht: Seit 60 Jahren untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Abständen von 20 Jahren die Lebensverhältnisse in denselben zehn westdeutschen – und seit 1993 auch in vier ostdeutschen ─ Orten. Auftraggeber der Langzeitstudie ist das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Inzwischen sind die empirischen Erhebungen der vierten Untersuchungsfolge abgeschlossen. Im Sinne einer kooperativen Forschungspraxis sind die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Kurzem in die einzelnen Gemeinden zurückgekehrt, um erste, ausgewählte Ergebnisse vorzustellen. In den durchweg gut besuchten Diskussionsrunden zeigte sich, dass die Bewohner die Entwicklung ihrer Dörfer durchaus unterschiedlich wahrnehmen.
Ein Beispiel: Während die Verwaltungsspitze den starken Zuzug innerhalb ihrer Gemeinde als unproblematisch sieht, empfindet ein Teil der Dorfbewohner diese Entwicklung als schwierig. „Die unterschiedlichen Reaktionen auf bestimmte Fragestellungen verhindern, dass wir die empirischen Daten zu einseitig interpretieren“, erläutert der Leiter der Verbundstudie, Dr. Heinrich Becker vom Thünen-Institut für Ländliche Räume, und kündigt an: „Sie werden in unseren Abschlussbericht mit einfließen.“

Bis dahin haben die Forscherinnen und Forscher noch viele Daten auszuwerten: Rund 3000 zufällig ausgewählte Personen haben in standardisierten Fragebögen Auskunft über die Lebensverhältnisse vor Ort gegeben, Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft und Vereinen in vertiefenden Einzelgesprächen die Entwicklung ihrer Orte und Umgebung beleuchtet. Dazu kommen Statistiken beispielsweise zu Einwohnerzahlen und -entwicklung, Infrastruktur und Wirtschaftslage.

In acht Teilprojektberichten widmen sich die verschiedenen Forschungseinrichtungen unterschiedlichen Themen: Das Thünen-Institut für Ländliche Räume untersucht kommunale Handlungsmöglichkeiten und die Chancen und Grenzen regionaler Arbeitsmärkte. Die Fachhochschule Südwestfalen (Institut für Green Technology) nimmt sich dem Thema „Wohnen in Dörfern: Zuzugs-, Fortzugs- und Bleibemotive“ an. Die Universität Hohenheim untersucht Bewältigungsstrategien im Alltag, das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) den Umgang mit neuen Medien. Den Wandel der Kindheit, sozialer Unterstützungsstrukturen und den Wandel der Anforderungen an die Landwirtschaft betrachten jeweils die Universität Wuppertal, die Hochschule Mittweida und die Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Diese Berichte sollen im Sommer 2015 zeitgleich mit einem zusammenfassenden Abschlussbericht des Thünen-Instituts erscheinen. Dort wird nicht nur auf die aktuellen Fragestellungen eingegangen, sondern auch auf die Entwicklung in den Untersuchungsorten von den 50er-Jahren bis heute.

Grafik: Thünen-Institut

Grafik: Thünen-Institut

Mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der Studie wurden einige Untersuchungsdörfer um Teile aus ihrem Umland erweitert. So sind 2012 folgende Untersuchungsorte sind in die Verbundstudie einbezogen: Bischoffingen und Kusterdingen in Baden-Württemberg; Bockholte, Elliehausen und Groß Schneen in Niedersachsen; Falkenberg (ursprünglich: der Ortsteil Diepoltskirchen) und Gerhardshofen in Bayern; Finneland (ursprünglich: der Ortsteil Kahlwinkel) in Sachsen-Anhalt; Freienseen in Hessen; Glasow und Krackow (ursprünglich: Glasow) in Mecklenburg-Vorpommern; Badingen, Burgwall, Marienthal, Mildenberg, Ribbeck und Zabelsdorf (ursprünglich: Mildenberg) in Brandenburg; Ralbitz-Rosenthal (ursprünglich: der Ortsteil Ralbitz) in Sachsen; Spessart in Rheinland-Pfalz; Westrup in Nordrhein-Westfalen.

Quelle: Thünen-Institut für Ländliche Räume, Braunschweig, 12.09.2014


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