Link-Tipp: Dieselverbrauch im Griff

6. November 2017 | 12:52 JT BetriebsführungEnergieLinkMaschinenRatgeber

Foto ©: JTG Agrar Service

Es gibt viele Möglichkeiten, Diesel einzusparen. Wenn man dieses Verbesserungspotenzial für den Betrieb nutzen will, muss man allerdings dafür Sorge tragen, dass diese Strategie auch greift. Einzelmaßnahmen bedeuten gegebenenfalls einen einmalig höheren Aufwand, wie Verhandlungen zu Flächentausch oder Recherche bei Investitionen. Gewohnheiten in der täglichen Arbeit zu ändern, ist zunächst einfach. Diese Änderungen aber beizubehalten, bedarf eines ständigen Willens und einer dauerhaften Selbstkontrolle. Informationen vom DLG-Testzentrum Technik und Betriebsmittel.

Was nutzt der Tiger im Tank, wenn ein Esel am Steuer sitzt!“ – Ein Nachsatz dreht einen seit den 1960er Jahren bekannten Werbespruch zum Nachteil um. Sprit und damit Kosten sparen ist aber natürlich ein lohnenswerter Ansatzpunkt für eine strategische Verbesserung des Betriebsergebnisses. Wenn man tatsächlich Sprit sparen will, gilt es zunächst die richtigen Stellschrauben im Betrieb zu finden. Viel Diesel wird verhaltensbedingt „verblasen“, wie der Eingangsspruch ja auch schon angedeutet hat. Aber es gibt natürlich auch auf der Maschinenseite Ansatzpunkte, mit denen man die Betriebsmittelrechnung drücken kann.

Prinzipielle Verhaltenstipps

Unabhängig von der tatsächlichen Arbeit: Fahren Sie, wo immer es geht, mit reduzierter Motordrehzahl. Auf der Straße gilt dasselbe wie beim PKW: Früh hochschalten spart Sprit. Zusätzlich kann man bei Feldarbeiten im Teillastbereich, zum Beispiel bei leichten Zapfwellenarbeiten, durch Nutzung der Sparzapfwelle den günstigsten Verbrauchsbereich ausnutzen, der bei etwa 70 bis 80 Prozent der Nenndrehzahl liegt. Die Ersparnis gegenüber „Vollgas“ kann hier durchaus bis zu 40 Prozent betragen. Wenn man es genau wissen will: Im Rahmen der DLG-PowerMix-Prüfung von Traktoren werden bestimmte Teillastpunkte am Zapfwellen-Leistungsprüfstand angefahren. Die Messergebnisse im DLG-PowerMix-Datenblatt sprechen hier eine deutliche Sprache. Und denken Sie daran, dass ein Motor auch nur dann effizient arbeiten kann, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Die regelmäßige Reinigung von Kühler und Filtern ist ein Pflichtprogramm, dessen Ausführung mit einer Kraftstoffersparnis von ca. fünf Prozent einhergeht.

Automatisierung nutzen, Ballastierung variieren

Mit einem fein abgestuften Lastschaltgetriebe oder einem stufenlosen leistungsverzweigten Getriebe kann man das rechtzeitige Hochschalten sogar automatisieren. So ist es möglich, unter stark wechselnden Bodenbedingungen oder auf der Straße immer im günstigen Bereich zu fahren. Auch Load-Sensing-Hydrauliksysteme bieten die Möglichkeit zur Kraftstoffersparnis, da sie immer nur so viel Öl fördern, wie auch benötigt wird.

Im Rahmen einer DLG-PraxisMonitor-Umfrage haben rund ein Viertel der Teilnehmer angegeben, dass sie die Ballastierung des Traktors nur gelegentlich oder gar nicht variieren. Dabei stecken auch in einer richtigen Gewichtsverteilung und Ballastierung einiges an Verbesserungspotenzial. Kaum jemand stellt in Frage, dass Zusatzgewichte dabei helfen, bei schwerer Zugarbeit im Acker die Leistung besser zu übertragen. Aber wie oft sieht man Traktoren vor dem Schwader oder bei Straßenfahren mit „totem Ballast“? Es gilt die Faustregel, dass jede Tonne, die man auf der Straße nicht bewegen muss, auch etwa einen Liter Kraftstoff spart. Hier sind auch die Hersteller gefragt, die gerade erst damit beginnen, entsprechend variable Ballastierungssysteme für die Einmannbedienung auf den Markt zu bringen. Wie wichtig diese Variabilität ist, hat die Neuheitenkommission zur Agritechnica 2017 auch mit einer Silbermedaille für das EZ Ballast Wheel System von John Deere deutlich gemacht.

Totfahrten vermeiden

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft ist im vollen Gange und führt zu immer weniger und immer größeren Betrieben. Betriebsaufgaben bieten so immer wieder die Chance, die eigene Nutzfläche durch Zupacht zu erweitern. Aber gerade in den (südlichen) alten Bundesländern ist die ungünstige Flächenstruktur gerade von Altbetrieben oft noch ein Problem. Hinzu kommen immer wieder große Entfernungen zwischen den Schlägen und zum Betriebsstandort. Unproduktive Nebenzeiten wie Straßenfahrten von einem zum anderen Feld oder auch Wendevorgänge auf zu kleinen und womöglich auch noch unförmigen, keiligen Teilflächen sind sowohl von der Arbeitserledigung als auch betriebswirtschaftlich frustrierend. Hier lohnt sich der Versuch über einen Flächentausch, die Teilflächen auf mindestens zwei Hektar, besser fünf Hektar zu vergrößern und gegebenenfalls näher zusammenzulegen, um Totfahrten zu vermeiden und dadurch Kraftstoff einzusparen.

Bodenbearbeitung optimieren

Wenn schon das Bewegen von Gewichten über die Erde deutliche Kraftstoff-Einsparungen möglich macht, wird die Ersparnis umso größer, desto weniger Stahl der Traktor durch den Boden ziehen muss. Oder anders ausgedrückt: Je weniger Bodenbearbeitung insgesamt und je weniger tief diese erfolgt, umso mehr Kraftstoff kann eingespart werden. Die Direktsaat als gänzlicher Verzicht auf Bodenbearbeitung bietet hier vom Ansatz her das größte Einsparpotenzial. In den am weitesten verbreiteten Bestellungsverfahren Mulchsaat oder Pflug lohnt es sich, über die einzelnen Bearbeitungsschritte nachzudenken. Eine Spatendiagnose erlaubt mit relativ geringem Aufwand, den Gefügezustand eines Bodens einzuschätzen und liefert einen Gesamteindruck hinsichtlich Größe und Struktur der Fragmente und der Bodenaggregate sowie der Bodenverdichtung, Durchwurzelung und Feuchte. Auf dieser Basis kann manchmal sogar auf einzelne Bearbeitungsgänge verzichtet werden, oder man kann zumindest die Arbeitstiefe bzw. Bearbeitungsintensität reduzieren.

Zu guter Letzt: Spritsparer kaufen

Natürlich macht es neben den genannten Optimierungsmöglichkeiten auch Sinn, seine Investitionen in die Spritspar-Strategie einzubeziehen. Am einfachsten kann man den für die notwendigen Zwecke optimalen Traktor über die PowerMix-App auf der DLG-Webseite finden. Diese steht zur kostenfreien Nutzung unter http://www.dlg.org/suchepowermix.html zur Verfügung.

So wird die DLG-PowerMix-App genutzt

Nach dem Öffnen zeigt sich Ihnen die unter Bild 1 dargestellte Ansicht. Sie müssen zunächst die für Ihren Traktor zutreffenden Voreinstellungen über die Schieberegler auf der linken Seite vornehmen. Ein 400-PS-Großtraktor wird dabei sicherlich einen eher hohen Anteil an schweren Zugarbeiten (erster Schieberegler) zu verrichten haben als ein 120-PS-Pflegeschlepper, für den wiederum höhere Anteile an leichten Zapfwellenarbeiten zutreffen werden. Bitte beachten Sie: Die Summe aller Anteile muss 100 Prozent betragen – gegebenenfalls müssen Sie alle Anteile gleichmäßig nach oben oder unten verschieben, bis diese Summe erreicht wird. Die Einstellungen von Diesel- und AdBlue-Preis sind optional. Nach Klicken auf „Suchen“ werden Ihnen im Hauptfeld die Traktoren im optional ausgewählten Leistungsbereich in einer Spritkosten-optimierten Reihenfolge angezeigt, d. h. der kostengünstigste Traktor mit dem geringsten spezifischen Verbrauch erscheint oben. Hinter jedem Tabelleneintrag verbergen sich dann eingeklappt die wichtigsten Leistungs- und Verbrauchsdaten des Traktors. Auch das jeweilige DLG-PowerMix-Datenblatt mit allen Messergebnissen kann von dort aus heruntergeladen und ausgedruckt werden.

Screenshot ©: DLG PowerMix-App

Quelle: Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e. V. (DLG), 03.11.2017

 

 


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