Marktmacht zum Schaden der Milcherzeuger

8. Mai 2015 | 9:18 JT HandelMilchviehNachrichtenNahrungsmittelOrganisationen/VerbändeVerbraucher

Foto: JTG Agrar Service

Foto: JTG Agrar Service

Als „dreiste Lüge“ bezeichnet der Präsident des Landvolk Niedersachsen Heinz Korte die Behauptung des Discounters Aldi, „gesunkene Rohwarenpreise“ an die Verbraucher weitergeben zu wollen. „Die Verantwortlichen bei Aldi setzen mit ihrer Einkaufspolitik die Gesetze von Angebot und Nachfrage außer Kraft und üben den Druck auf die Rohwarenpreise selbst aus“, stellt Korte richtig. Aus landwirtschaftlicher Sicht gebe es derzeit keine Gründe für sinkende Preise. Die aktuelle Milchanlieferung liege unter dem Niveau des Vorjahres, ein höherer Verbrauch von Milchprodukten habe die Nachfrage stimuliert, Lagerbestände gebe es nicht – vor diesem Hintergrund spiele der Discounter mit seiner Preisgestaltung seine Marktmacht zum Schaden der Milcherzeuger aus. Offensichtlich habe das Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels die düsteren Prophezeiungen einiger Anhänger der Milchquote zu ernst genommen. So sei immer wieder kolportiert worden, mit dem Ende der Quotenregelung steige die Milchmenge an. „Diese Vermutung geht aber an der derzeitigen Realität völlig vorbei“, sagt Korte.

Die niedersächsischen Milcherzeuger erhielten im März 2015 um die 28 Cent je Kilogramm Milch, das sind rund zehn Cent weniger als vor Jahresfrist. Die 10.000 Milchviehhalter erzeugen einen Rohstoff in Topqualität, die Bezahlung honoriert diesen Wert aktuell leider nicht in dem notwendigen Maß, bedauert Korte. Er verweist auf Finnland und Großbritannien, wo der Milchauszahlungspreis mit um die 35 Cent je Kilogramm deutlich über dem hiesigen Niveau liegt. „Ausgerechnet im kaufkräftigsten Markt Europas sollen die Verbraucher für das hochwertige Produkt Milch nur Almosen übrig haben“, hinterfragt Korte. Diese Preisgestaltung passe in keiner Weise zu den Ansprüchen nach mehr Tierwohl, Nachhaltigkeit oder der von Wissenschaftlern in Verbraucherbefragungen festgestellten Bereitschaft, mehr Geld für Nahrungsmittel ausgeben zu wollen. „Für uns Landwirte zählt nicht der hehre Anspruch, sondern das, was wir tatsächlich erhalten“, fasst Korte, selbst Milchviehhalter, zusammen und setzt auf eine schnellstmögliche Trendwende bei den Milchpreisen.

Quelle: Landvolk Pressedienst (LPD), 07.05.2015


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vor dem Absenden bitte das Ergebnis aus der Buchstaben- und Zahlenkombination in das Textfeld eintragen. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

*