Melkroboter lassen den Kühen die Wahl

19. August 2013 | 8:56 JT MilchviehNachrichtenVideo

Die moderne Technik hat längst Einzug in die Ställe der Landwirte gehalten. Ein hoher Mechanisierungsgrad ist vor allem für junge Landwirte nicht nur ein gewohntes Bild, sondern oftmals Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Arbeiten. Die Einführung der Melkroboter vor fast 20 Jahren war eine Revolution in der Milchviehhaltung. Die körperlich anstrengende Arbeit des Melkens ist in den vergangenen Jahrzehnten durch moderne Melkstände und technische Einrichtungen enorm erleichtert worden. Geblieben ist die tägliche Arbeit morgens und abends. Der Melker hat zudem eine große Verantwortung für Tiere, Technik und für die Qualität der gewonnenen Milch. Er prüft, ob die Tiere fit sind, muss die Milch kontrollieren und soll nebenbei effektiv und zügig arbeiten. Die Skepsis gegenüber einer Technik, die alle diese Aufgaben übernehmen soll, war anfänglich groß. Seitdem hat sich viel getan und die Zuverlässigkeit der automatischen Melksysteme ist stetig gesteigert worden.

Das automatische Melksystem besteht bei den meisten Herstellern aus einer Melkbox mit Roboterarm. Die Kühe entscheiden selbst, wann sie zum Melken gehen möchten und werden dort über einen Sender am Halsband erkannt. In einem zentralen Computer sind alle Daten zu dem Tier erfasst. Die Kuh bekommt eine an die Milchleistung angepasste Kraftfutterration ehe der Melkvorgang beginnt. Dabei wird zunächst das Euter gereinigt, im Anschluss wird das Melkgeschirr angesetzt. Das alles erledigt der lasergestützte Roboterarm. Während des Melkens wird die Qualität der Milch automatisch erfasst und zusammen mit der Menge in der EDV gespeichert. Nach dem Melken werden die Zitzen mit einem hautpflegenden Dippmittel benetzt. Eine frischmelkende Kuh wird bis zu fünfmal am Tag gemolken, mit sinkender Milchleistung seltener. Im Schnitt lassen sich die Tiere 2,5 bis 2,7 Mal am Tag melken.

Vor allem familiengeführte Betriebe mit kleinen bis  mittelgroßen Kuhbeständen bietet die Technik Vorteile. Durch den Wegfall der Melkzeiten können die Landwirte flexibler auf Arbeitsspitzen reagieren. Der Betrieb bleibt bis zu einer gewissen Größe unabhängig von Fremdarbeitskräften, die körperlich anstrengende Melkarbeit übernimmt die Technik. Aber sie stellt auch neue Anforderungen an den Landwirt. Er kontrolliert die Tiere nicht mehr beim Melken, sondern zunehmend durch das Sichten der Daten am PC. Der Bezug zum Tier jedoch bleibt erhalten. Regelmäßige Kontrollgänge durch den Stall sind für Milchviehhalter nicht nur Pflicht, sondern Ehrensache. Für diese Arbeit gibt der Roboter den Milchviehhaltern mehr Freiraum. Allerdings ist der melkende Roboter etwas kostenintensiver als ein herkömmlicher Melkstand. Vor allem größere sowie wachstumswillige Betriebe bleiben deshalb häufig konventionellen Melkständen treu. Ein Roboter kann 60 bis 70 Tiere melken. Da die teure Technik immer möglichst gut ausgelastet werden muss, müssen Wachstumsschritte an diese Größenordnungen angepasst werden. Ihre Nische haben die automatischen Melksysteme auf Familienbetrieben gefunden, die zwischen 60 und 130 Kühe halten. Dort kommen die Vorteile am besten zum Tragen und wiegen zugleich die höheren Kosten auf.

Quelle: Landvolk Presse Dienst, 08.08.2013

Hersteller automatischer Melksysteme, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Video zum Lely Melkroboter A4, aufgenommen am 16.12.2012 auf der EuroTier in Hannover:

 

 

 


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