Milchmarkt: Erzeuger trägt das Marktrisiko

2. Oktober 2015 | 10:18 JT MärkteMilchvieh

Foto ©: JTG Agrar Service

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Der Markt um die wertvolle Kuhmilch funktioniert in Deutschland nicht. Das belegt eine von der MEG Milch Board in Auftrag gegebene Einzelfallstudie zur Wertschöpfung der Molkereien.

Studie zur Wertschöpfung der Molkereien

Auf Grundlage der im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüsse wurden insgesamt 44 deutsche Molkereien analysiert, davon 13 Privatmolkereien, 20 Genossenschaftsmolkereien und 11 Liefergenossenschaften. Die Ergebnisse müssen jeden Wettbewerbshüter alarmieren! Kernbotschaft: Die Spannweiten im Bereich der Wertschöpfung sind sehr groß. Bei der Bruttowertschöpfung beträgt die Spannweite 0,43 Euro pro Kilogramm, bei der Nettowertschöpfung 0,29 Euro über alle konventionellen Molkereien. Auf die Auszahlungspreise hat dies aber keinen signifikanten Einfluss! Unabhängig von der Wirtschaftskraft unterscheiden sich die Milchauszahlungspreise nur sehr geringfügig.

Zusammenhänge zwischen Wertschöpfung und Auszahlungspreis lassen sich deshalb nicht herstellen. Genossenschaftliche Großmolkereien mit hohen Verarbeitungsmengen und niedriger Wertschöpfung drücken das Niveau der Milchauszahlungspreise maßgeblich. Molkereien mit hoher Wertschöpfung bezahlen keine entsprechend höheren Milchpreise aus. Die höhere Wertschöpfung wird von diesen Unternehmen für die Rücklagenbildung abgeschöpft.

Brisant: Die Ergebnisse zeigen auch, dass am gesamten Milchmarkt vor allem die Erzeugerseite das Marktrisiko trägt. Die Wissenschaftler nahmen die Wertschöpfung der Molkereien zwischen 2009 und 2013, also in fünf aufeinander folgenden Jahren, unter die Lupe. Während in diesem Zeitraum die Milchpreise massiven Schwankungen unterlagen, hielt sich die Wertschöpfung der Molkereien und deren Fähigkeit, Rücklagen zu bilden konstant. Zwar auf unterschiedlich hohem Niveau, aber immerhin konstant. Für den 1. Vorsitzenden der MEG Milch Board Peter Guhl bedeutet dies im Umkehrschluss: „Egal in welche Richtung der Markt tendiert, die Molkereien schneiden sich je nach Anspruch immer ihren Teil vom Kuchen ab.“ Für Guhl untermauern die Ergebnisse aber auch die in der RoadMap Milch & Markt geforderte Abschaffung der genossenschaftlichen Andienungspflicht. „Die Genossenschaften müssen sich bei der Beschaffung der Milch zukünftig dem Wettbewerb stellen.“

Die Wertschöpfungsstudie deckt sich weitestgehend mit den Ergebnissen der vom Bundeskartellamt durchgeführten Sektoruntersuchung Milch. Angesichts der aktuellen Verwerfungen am Milchmarkt, fordert Guhl das Bundeskartellamt zum Handeln auf. „Die Molkereien verspüren aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt keinen Druck, sich gegenüber dem Einzelhandel eine standhafte Verteidigungslinie aufzubauen. Die Milch bekommen sie ohne Mühe und am Ende stimmt die Bilanz immer.“

Quelle: MEG Milch Board w. V., 30.09.2015


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