Netzwerk MuD Tierschutz

9. Juni 2017 | 13:13 JT BetriebOrganisationen/VerbändeTiereTierwohlZukunft

Wie setzt man Forschungsergebnisse über Tierwohl in die Praxis um? Was sind Gründe für das Schwanzbeißen bei Schweinen sowie das Federpicken bei Hühnern? Und was hilft dagegen? Mit diesen und weiteren Fragen setzen sich die Demonstrationsbetriebe Tierschutz auseinander.

Bilanz nach zwei Jahren Netzwerkarbeit MuD Tierschutz

Nach bisher zwei Jahren Projektlaufzeit zogen die Landwirte Zwischenbilanz: Es konnte viel verbessert werden. Der Austausch untereinander, Tierbeobachtung und weitere Tests in Sachen Aufzucht, Futter, Klima oder Beschäftigung sind jedoch noch nötig.

„Die ersten zwei Jahre Projektlaufzeit haben uns gelehrt, Tiersignale völlig neu zu lesen“, beschreibt Schweinemäster Thomas Asmussen aus Gelting seine Erfahrungen als Demonstrationsbetrieb. Gemeinsam mit mittlerweile rund 50 anderen Betrieben in neun aktiven Netzwerken hat Asmussen in der Vergangenheit durch finanzielle Förderung des Bundeslandwirtschaftsministeriums viel Neues in Sachen Tierwohl ausprobiert. Die vier „Pionier“-Netzwerke Legehennen- und Schweinehaltung starteten im Juni 2015 und enden im November 2017.

Bei einem Arbeitstreffen beim Projektträger Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Anfang Juni in Bonn zogen Landwirte aus den ersten vier Netzwerken nun Bilanz. Auf acht Treffen je Netzwerk haben sie sich in den vergangenen Monaten über ihre Erfahrungen ausgetauscht.

Foto ©: BLE

„Diese Treffen sind echte Highlights und bringen uns jedes Mal ein Stück weiter. Nur so kann der eine Betrieb vom anderen profitieren“, so Landwirt Karl Harleß aus Niedersachsen, der auf seinem Betrieb über 1.200 Schweinemastplätze hat. Und mehr noch: „Ich habe so viel gelernt, wie in den vergangenen 20 Jahren nicht“, betont ein Legehennenhalter.

Legehennen: Aufzucht und Futter sind wichtigste Grundlagen

Auch bei der Aufzucht von Legehennen mit intaktem Schnabel sind sich die Landwirte einig: Es sei „Wahnsinn“, was man alles optimieren könne, wenn man Beobachtungsergebnisse konzeptionell auswerte und Tipps von guten Beratern bekomme. Insbesondere habe sich herausgestellt, dass in der Legehennenhaltung Aufzucht und Futter entscheidende Faktoren sind.

„Wenn die Junghennen das mit dem unkupierten Schnabel gut gelernt haben, kriegen sie das auch später hin“, lautete die Erkenntnis. Deutlich wurde jedoch auch: „Damit die Erkenntnisse auf andere Betriebe übertragbar werden, nicht in der Schublade verschwinden und der Austausch weitergeht, brauchen wir eine Verlängerung der Modell- und Demonstrationsvorhaben“, so die einhellige Meinung der Landwirte. Und: Der Aufwand muss honoriert werden, sonst kann kein Tierhalter das „Mehr“ an Tierwohl leisten.

Kostenneutralität als wichtiger Faktor – Über 90 Veranstaltungen

„Mit der Förderung der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz können wir kostenneutral arbeiten. Das nimmt uns die Angst und Hemmung, Dinge auszuprobieren. Es wird eine Analyse und ein Beweis dessen möglich, was Tierwohl wirklich ausmacht“, so Schweinehalter Andre Angenendt. Und das geben die Landwirte weiter: Über 90 sogenannte Multiplikatorenveranstaltungen gab es bisher mit über 700 Teilnehmern – von Politikern über Veterinäre bis hin zu Berufsschulklassen. In diesen Veranstaltungen berichten die Landwirte über die MuD Tierschutz, welche Maßnahmen sie durchführen und welche Erfolge und Rückschläge sie verzeichnen.

Tierwohl ist im Kopf angekommen

„Früher war Legehennenhaltung einfach: Futter rein, Ei raus. Heute wissen wir, was man alles besser machen kann“, sagt eine Landwirtin von der Schwäbischen Alb. Auch Karl Harleß ist sich sicher: „Ich werde nicht wieder so arbeiten wie vorher. Ich habe soviel gelernt und würde den Tieren dieses Mehr immer bieten wollen.“

Ihre Eindrücke und Erkenntnisse stellten die Landwirte am zweiten Tag des Netzwerktreffens den Mitarbeitern der zuständigen Fachreferate im BMEL vor. Bei dem regen Austausch wurde nach der bisherigen betriebswirtschaftlichen Auswertung klar: Bei den derzeitigen Fleisch- und Eierpreisen können die Kosten für mehr Arbeitsaufwand und diverse Materialien zur Beschäftigung oder Mindereinnahmen durch geringeren Tierbesatz nicht über das Projekt hinaus von den Landwirten getragen werden. Die MuD Tierschutz stellen somit ein wichtiges Element in der von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt geplanten Nutztierstrategie dar.

Hintergrundinformation

Die MuD Tierschutz stehen im Kontext der Bundesinitiative „Eine Frage der Haltung – Neue Wege für mehr Tierwohl“. Die Haltung von Tieren in Deutschland zu verbessern ist das Ziel der Initiative, die Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt 2014 startete. Ziel der MuD ist es, die Lücke zwischen Wissenschaft und Praxis zu schließen sowie innovative Ergebnisse auf den landwirtschaftlichen Betrieben modellhaft umzusetzen. Die MuD Tierschutz werden vom BMEL gefördert, Projektträger ist die BLE.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), 08.06.2017

 


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