Steigende Preise für Milchprodukte

22. Oktober 2016 | 13:08 JT MärkteNahrungsmittelOrganisationen/VerbändeVerbraucher

MIV-Vorsitzender Peter Stahl Foto ©: Milchindustrie-Verband e.V.

MIV-Vorsitzender Peter Stahl
Foto ©: Milchindustrie-Verband e.V.

„Der Markt funktioniert und hat reagiert. Die Milchmenge ist zurückgegangen und nach langer Zeit geht es endlich wieder bergauf am Milchmarkt“, sagte Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) am Rande der Jahrestagung des Verbandes in Berlin.

Neben der Mengenreduzierung durch die Milcherzeuger wegen niedriger Preise ist ein weiterer Grund das saisonal niedrigere Milchaufkommen. In der Folge steigen die Erlöse für Milchprodukte und die Erzeugerpreise.

Das Vorjahresniveau wurde Ende September in Deutschland um 4,1 Prozent deutlich unterschritten und die Mengen sind weiterhin rückläufig. Auch in Frankreich und dem Vereinigten Königreich bewegten sich die Milchmengen unter dem Vorjahresniveau und die Anlieferungen in den Niederlanden und Irland haben sich ebenfalls gegenüber den Monaten zuvor deutlich abgeschwächt. Ähnliches findet sich international. In wichtigen Ländern außerhalb der EU und besonders in den Ländern Südamerikas lassen sich rückläufige Milchanlieferungen feststellen. Einzig Nordamerika mit USA und Kanada hat seine Milchproduktion ausgebaut.

„Die Milchmenge in Europa und auf der Welt fällt und die Hoffnung auf bessere Preise steigt zu Recht bei den Erzeugern“, ist sich der Vorsitzende bewusst. Denn dieser Anstieg ist nicht zuletzt für die Milcherzeuger bitter nötig.

Dennoch wird es sich je nach Produktverwertung und Vertragslaufzeiten für jede Molkerei unterschiedlich darstellen, wie schnell und wie deutlich man diese Entwicklung auch in den Auszahlungspreisen an die Landwirte widerspiegeln kann.
In den halbjährlichen Kontrakten der weißen Linie, z. B. Trinkmilch, mit dem deutschen Lebensmitteleinzelhandel zeichnen sich laut Medienberichten deutlich bessere Preise im Winter ab. Und auch wenn der Lebensmitteleinzelhandel nur ein Standbein in der Vermarktung ist, so geben diese Anzeichen Grund zum Optimismus.

Der Buttermarkt ist derzeit ein Verkäufermarkt, teilweise wird auch bereits Butter aus der Privaten Lagerhaltung zur Versorgung mit herangezogen. Das Weihnachtsgeschäft hilft hier, denn die Fertigung von Backwaren läuft bereits. Die Bestellungen für abgepackte Butter sind auch nach der Preiserhöhung zu Monatsanfang umfangreich. Jedoch stößt das hohe Preisniveau bereits an Grenzen und Kunden aus der weiterverarbeitenden Industrie verhalten sich eher abwartend.

Gleiches ist für die Verbraucherseite in Deutschland zu befürchten. Niedrigere Verbraucherpreise haben nur in begrenztem Maße zu einem höheren Konsum geführt, die Auswirkungen von Preiserhöhungen auf das Einkaufsverhalten sind derzeit jedoch schwer abzusehen.

Die rege Nachfrage bei Schnittkäse trifft derzeit auf ein vergleichsweise knappes Angebot. Neue Anfragen für das erfreulich verlaufende Exportgeschäft von Käse (Januar-Juli: +7,92 Prozent) können nicht immer bedient werden.

Die geringere Rohstoffverfügbarkeit und die gleichzeitig gegenüber der jüngeren Vergangenheit stabile Nachfragesituation sowohl in Richtung Verbraucher als auch im Export wird mittelfristig steigende Erzeugerpreise nach sich ziehen. Viele Molkereien deuten bereits jetzt an, dass ein Milchpreis von über 30 Cent je Kilogramm Rohmilch schon sehr bald Realität werden kann.
„Lediglich der Markt für Milchpulver zeigt sich abwartend bis stabil. Ein Grund sind nicht zuletzt die über 350.000 Tonnen Magermilchpulver, die der EU zur Marktentlastung in die Intervention angedient wurden“, gibt Peter Stahl zu bedenken. Die EU-Kommission hat bekundet, den Markt sich erst entwickeln zu lassen, bevor man in 2017 Interventionsware mit viel Feingefühl verkaufen möchte. In der letzten Verkaufsphase ist der EU dieses sehr gut gelungen und brachte hohe Erlöse in die Kasse der EU. Davon ist auch dieses Mal auszugehen und rechtfertigt so in Marktkrisen, sinnvoll platzierte Hilfsmaßnahmen für die europäische Milchwirtschaft vorzunehmen.

„Wir müssen nun achtsam sein und den Markt verstehen und führen. Eine kurzzeitige Überhitzung mit sehr hohen Preisen kann uns mittelfristig durch Kaufzurückhaltung bei den Kunden Probleme bereiten, gerade im Export. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die deutschen Molkereien dieses auch im Sinne ihrer Milcherzeuger schaffen werden“, wagt Peter Stahl abschließend einen positiven Blick nach vorn.

Quelle: Milchindustrie-Verband e. V., 19.10.2016


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