Studie: Glyphosatverbot gefährdet die nachhaltige Landwirtschaft

21. August 2017 | 19:45 JT AckerbauBodenPflanzenschutz

Grafik ©: JTG Agrar Service

Glyphosat als Pflanzenschutzmittelwirkstoff in zahlreichen Breitbandherbiziden wird aktuell im Rahmen des Verfahrens zur Verlängerung der EU-Wirkstoffgenehmigung überprüft. Die Genehmigung von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen durch die EU-Kommission stellt die Voraussetzung für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln auf nationaler Ebene dar. In diesem Zusammenhang haben zwei EU-Institutionen unter Beteiligung aller Mitgliedsstaaten entsprechende Bewertungen von Glyphosat vorgenommen. Dabei kommen sowohl EFSA als auch ECHA zu dem Ergebnis, dass Glyphosat bei sachgerechter und bestimmungsgemäßer Anwendung sicher ist und als nicht krebserregend einzustufen ist.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Glyphosat in Deutschland

Die vorliegende Studie untersucht die ökonomische Bedeutung von Glyphosat für die deutsche Landwirtschaft auf Einzelbetriebsebene.

Im Einzelnen analysiert diese Studie die einzelbetrieblichen ökonomischen Auswirkungen, die ein Glyphosat-Verbot für die Landwirtschaft in Deutschland hätte. Die Studie konzentriert sich auf die Auswirkungen für die Bruttomargen derjenigen Betriebe (pro Hektar), die eine der Hauptkulturen in Deutschland (Weizen, Gerste, Raps, Silomais, Zuckerrüben, Äpfel oder Wein) anbauen, und hierbei auf eine Verwendung von Glyphosat bei der Unkrautbekämpfung verzichten müssten.

Glyphosatverbot schmälert die Gewinne und belastet das Klima

Die Ergebnisse zeigen, dass der größte absolute Bruttoverlust im Wein- (Verluste bis zu 220 € / ha) und Apfelanbau (Verluste von bis zu 186 € / ha) hinzunehmen wäre. Dies ist insbesondere damit zu erklären, dass der Anbau solcher Dauerkulturen sehr arbeitsintensiv ist und daher im Falle eines Glyphosatverzichts zusätzliche Arbeitsleistungen zur Unkrautbekämpfung zu erbringen wären. Da die Gesamtbrutto-Marge dieser Kulturen jedoch recht hoch ist, ist die relative Auswirkung auf die Rentabilität insgesamt nur von geringerer Bedeutung.

Gerste und Silomais wären am meisten von einem Glyphosatverbot betroffen. Hier würde die Gewinnmarge um 40 bis 70% schrumpfen und könnte sogar ins Minus gehen, wenn Landwirte aufgrund des Glyphosatverzichts auch Ertragsverluste erleiden würden. Weitreichende Auswirkungen auf die Struktur der Agrarwirtschaft wären dann nicht auszuschließen: Wo der Anbau bestimmter Kulturen nicht mehr rentabel ist, müsste ihre Produktion entweder subventioniert werden, oder die Landwirte müssten auf den Anbau anderer Kulturen umsteigen.

Aus Expertengesprächen wurde deutlich, dass im Fall eines Glyphosatverbotes die konventionelle Bodenbearbeitung (z.B. Pflügen) zunehmen würde. Dies würde zu einem höheren Dieselverbrauch führen und hätte direkt höhere CO2-Emissionen zur Folge. Darüber hinaus bedarf es zur mechanischen Unkrautkontrolle einer steigenden Anzahl von Überfahrten mit schweren Maschinen, was die Bodenmikrorganismen beeinträchtigen, die Bodenstruktur schädigen und Bodenerosion begünstigen würde, was schließlich zu weiteren Ertragsverlusten führe. Eine fehlende Verfügbarkeit glyphosathaltiger Pflanzenschutzmitteln würde in sinkenden Bruttomargen resultieren, da der Bedarf an Arbeitskräften auf den landwirtschaftlichen Betrieben stiege.

Insgesamt zeigen die potentiellen ökonomischen und ökologischen Effekte, dass die nachhaltige Landwirtschaft in Teilen Deutschlands bedroht ist, sollte es zu einem Verbot von Glyphosat in der EU kommen.

Quelle: Kleffmann Group, 18.08.2017


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vor dem Absenden bitte das Ergebnis aus der Buchstaben- und Zahlenkombination in das Textfeld eintragen. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

*