Weniger Milchviehhalter, mehr Milch

2. Juni 2014 | 13:53 JT MilchviehNachrichtenNahrungsmittelStatistik

Foto: JTG Agrar Service

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Der Milchmarkt in Zahlen

In Deutschland melken aktuell noch rund 76.000 Milchviehhalter mit ca. 4,2 Mio. Kühen jährlich 8.000 Liter Milch pro Kuh, die von gut 90 Molkereien aufgenommen und verarbeitet wird. Damit hat sich die Zahl der Milchviehhalter in den letzten 10 Jahren um mehr als ein Drittel reduziert, während die Milchmenge kontinuierlich weiter steigt.

Die Erzeugungskosten der Milch sind im gleichen Zeitraum von 40 Cent pro kg Milch auf mittlerweile 50 Cent gestiegen.

Wissenschaftliche Auswertungen der von der EU-Kommission zur Verfügung gestellten Daten des InformationsNetzwerks Landwirtschaftlicher Buchführungen der EU-Kommission (INLB) haben ergeben, dass die Milchviehhalter in Deutschland das gleiche Problem haben wie ihre europäischen Kollegen: Sie können aufgrund der bestehenden Marktrahmenbedingungen und Marktstruktur in der Regel keine Deckung der Milcherzeugungskosten  erzielen.

Derzeit bilden die Direktzahlungen für Landwirte einen wesentlichen Einkommensanteil der Betriebe: Auch in wirtschaftlich soliden Jahren kommen über 50% des Betriebseinkommens aus staatlichen Transferzahlungen.

Für eine wirtschaftliche nachhaltige Milchproduktion mit Zukunftsperspektive ist es für die Milcherzeuger nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. dringend geboten, unabhängiger von öffentlichen Geldern zu werden. Ziel muss sein, das Einkommen überwiegend aus dem Verkauf der Milch erzielen zu können.

Dies gestaltet sich allerdings angesichts des Marktmachtgefälles zu Ungunsten der Milchviehhalter, das in der Sektoruntersuchung Milch des Bundeskartellamts festgestellt wurde, sehr schwierig bis fast unmöglich. Nach wie vor können die Molkereien Preissenkungen in den Verhandlungsrunden mit den Handelsketten weitgehend an die Milcherzeuger „durchreichen“. Es bedarf daher Änderungen der Marktorganisation und Marktstruktur: Ziel muss sein, die Milchviehhaltern in der Wertschöpfungskette zu stärken, damit die Nachfragemacht von Molkereiwirtschaft und Handel ein Gegengewicht erhält und Verhandlungen auf Augenhöhe möglich werden. Nur ein funktionierender Milchmarkt, der den Milchviehhaltern eine wirtschaftlich nachhaltige Milchproduktion  ermöglicht, wird auch kommenden Generationen eine Perspektive in der Landwirtschaft bieten.

Auch im Milchbereich spielt der Weltmarkt eine immer größere Rolle – mit all seinen Chancen und Risiken. Für die Milchviehhalter gilt es, die Chancen zu nutzen und auf die Risiken entsprechend reagieren zu können. Dazu ist ein wirksames Sicherheitsnetz für den Milchmarkt zu installieren, das die bereits bestehenden Kriseninstrumente ergänzt, die in der Vergangenheit nicht in der Lage waren, schwere Milchkrisen zu verhindern.  Die europäischen Milchbauern mussten alleine in der Krise 2009 Verluste von rund 14 Mrd. Euro verkraften. Damit verbunden sind eine Schwächung der Vitalität der ländlichen Räume und ein intensives Fortschreiten des Strukturwandels. Der BDM hat hierzu auf Anregung politischer Entscheidungsträger ein Milchmarkt-Krisenmanagement-Konzept erarbeitet.

Eine zentrale Rolle innerhalb dieses Konzepts spielt die Monitoringstelle, für die sich die BDM-Milchbauern mit vielen Aktionen und Demonstrationen jahrelang stark gemacht haben und die vor wenigen Wochen nun von der EU-Kommission installiert wurde. Nur mit einer kontinuierlichen Beobachtung des internationalen und nationalen Milchmarkts kann frühzeitig und präventiv auf drohende Marktverwerfungen reagiert werden. Um zukünftig nicht nur kurzfristig andauernde, heftige Preisausschläge nach unten abzufedern und immense Wertschöpfungsverluste für die Milchviehhalter zu verhindern, ist die Monitoringstelle jedoch konzeptionell weiterzuentwickeln.

Quelle: Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V. (BDM), 30.05.2014


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