Wolke der Unwissenheit

17. Juli 2017 | 19:32 JT InsektenOrganisationen/Verbände

Foto ©: JTG Agrar Service

Der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht in der aktuellen Diskussion über das so genannte Insektensterben erhebliche Lücken bei der Datengrundlage, die dringend geschlossen werden müssen. „Aussagen wie ‚früher waren mehr Insekten auf der Windschutzscheibe‘ eignen sich möglicherweise für den Autofahrer-Stammtisch, werden aber der Bedeutung und Tragweite des Problems nicht im Ansatz gerecht“, kommentierte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Krüsken verwies auf die Feststellung des Insektenforschers Martin Sorg vom Krefelder Entomologischen Verein, der gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 16. Juli 2017 die Diskussion „in einer Wolke der Unwissenheit“ verortete.

DBV sieht großen und dringenden Forschungsbedarf

„Die Krefelder Insektenforscher bestätigten, dass es keine gesicherten Erkenntnisse gibt, denn es fehlten flächendeckende Bestandszahlen und systematische Forschungsreihen oder ein Langzeitmonitoring. Den großen Klärungsbedarf, den die Wissenschaftler sehen, können wir in vollem Umfang bescheinigen“, so Krüsken.

Diskussion zum Insektensterben in einer „Wolke der Unwissenheit“

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte am Wochenende erneut die Landwirtschaft für das Insektensterben verantwortlich gemacht. „Diese Aussagen sind in dieser Form nicht zu begründen. Es gibt leider keine repräsentativen Untersuchungen oder belastbaren Studien über Umfang und Ausmaß von Veränderungen des Insektenbestandes. Umso dringender brauchen wir verlässliche Daten, um diese Debatte auf eine seriöse Grundlage stellen zu können“, forderte Krüsken. Den Landwirten werde es nicht zuletzt durch bürokratische Hindernisse schwergemacht, die Verhältnisse für die Insekten durch Blühstreifen und artenreiche Feldränder noch weiter zu verbessern. Die Potenziale im Greening würden derzeit durch komplizierte Antrags-und Kontrollverfahren ausgebremst.

Zudem werde nach wie vor zu wenig gegen den Flächenverbrauch unternommen. Der Lebensraum von Insekten und anderen Tieren gehe überall dort verloren, wo Felder, Wiesen, Weiden und Wälder unter Asphalt und Beton verschwinden, derzeit immer noch 66 Hektar täglich. Hier sieht der DBV auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Bauen in der Verantwortung.

Quelle: Deutscher Bauernveband (DBV), 17.07.2017

2 Antworten zu “Wolke der Unwissenheit”

  • Klaus Riede sagt:

    somit wäre es an der Zeit, dass auch das Landwirtschaftsministerium – in Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden – seinen Beitrag zum finanziell zweifellos aufwändigen #Monitoring leistet – war denn das #greening – hoch subventionierte ökologische Vorrangflächen – erfolgreich? Vielleicht könnte man ja einen Teil der EU Agrarsubventionen zum #monitoring abzweigen?
    Zum Thema Insektensterben empfehle ich den science artikel von Gretchen Vogel, der zahlreiche gut fundierte Studien zitiert, die eigentlich jeden überzeugen sollten. Oder auch der IpBes Bestäuberbericht!

  • Jörg P. sagt:

    Ganz sicher ist die Intensivierung der Landwirtschaft zu einem großen Teil schuld am Insektensterben.
    Ich behaupte aber, dass der Straßenverkehr ein genau so großer Faktor ist.
    An den immer wenigeren Insekten auf den Autoscheiben sind die Autoscheiben selbst und das Drumherum schuld.
    46 Millionen zugelassene Pkw, rund 4 Millionen Krafträder und fast drei Millionen Lkw in Deutschland. (Stand Anfang 2017) Davon fahren nicht alle täglich, aber es kommen die Transitfahrzeuge hinzu. Es sind also viele Millionen „Autoscheiben“ täglich auf Insektenjagd. Weltweit gesehen ist das eine enorme Vernichtungsmaschinerie. Diese Verluste kann die Natur auf Dauer nicht ausgleichen!
    Ich fahre fast täglich durch Wald- und Wiesengebiete, die weit von der „modernen Landwirtschaft“ entfernt sind. Eigentlich müsste es dort immer noch viel mehr Insekten geben. Nein, negativ! Dort gibt es genau so wenig wie in den fast blütenlosen Gebieten.

    Die Menschheit bekommt höchstwahrscheinlich ein echtes Problem. Das will nur jetzt noch keiner so richtig wahrhaben. Einerseits gibt es eine große Gleichgültigkeit, andererseits gibt es die Lobbyisten und die Profitgier.
    Die, die jetzt noch kräftig an der Umweltzerstörung verdienen, die erleben den Supergau des Insektensterbens nicht mehr.
    Ich zum Glück auch nicht …..


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